Calvin, Jean – An Francois Hotman in Straßburg.

Calvin, Jean – An Francois Hotman in Straßburg.

Nr. 550 (C. R. – 2790)

Die lutherischen Theologen in Worms hatten eine Erklärung erlassen, in der unter andern Ketzern auch Zwingli genannt wurde, und der sich auch Melanchthon anschloss.

Von den Lutheranern verketzert. Ewiges Burgrecht mit Bern.

Crispin behauptet, er wisse niemand, dem du einen Brief mitgegeben habest; du hast also gut getan, als du dir die Mühe nahmst, den Hauptinhalt des verlorenen Schreibens nochmals zu wiederholen. Wenn auch die Zürcher ein Religionsgespräch nicht weniger fürchten, als wir es wünschen, so wäre es doch gut, wenn eins angesagt würde. Was man uns als Grund zur Ablehnung vorhält, man habe doch nur mit verstockten Menschen dabei zu tun, hält mich nicht auf, weil eine freimütige Verteidigung der Wahrheit und der guten Sache die Fürsten doch wenigstens aufmerken ließe, so dass sie uns späterhin mehr Beachtung schenken. Doch fürchte ich, Melanchthon, der mit seiner letzten Tat das Lob, das er sich erworben, wieder ganz zerstört hat, weiche nun zurück; denn da er in der Person Zwinglis alle Schweizer verurteilt hat, so ist natürlich die Hoffnungslosigkeit derer, die schon früher nichts von einem Religionsgespräch wissen wollten, gewachsen. Ihr aber dürft, solange noch irgendwelche Hoffnung ist, etwas zustande bringen, nicht aufhören; tatsächlich ist es doch geradezu unmenschlich, wenn eine so kläglich traurige Spaltung die Leute nicht dazu bringt, nach Abhilfe zu trachten. Herrn Sturm brauche ich nicht besonders zu schreiben, da ich hoffe, du werdest ihm ausrichten, was ich schreibe, oder vielmehr, da dieser Brief Euch beiden gilt.

Nach langen Streitigkeiten ist endlich gestern ein ewiges Burgrecht zwischen Bern und Genf beschworen worden, durch das freilich nicht alle Händel aufgehoben sein werden, wie ich annehme. Doch ist es gut, dass wenigstens, wenn irgendwelche Streitsachen bestehen bleiben, gerechte Schiedsrichter darüber zu entscheiden haben. Bei der Gelegenheit hat uns dein Bruder, von dessen Aufenthalt in Lausanne ich gar nichts wusste, besucht; doch blieb er kaum zwei Tage hier und hat so bei all dem Festlärm nur zweimal mit mir sprechen können; wo sich die Gelegenheit bot, ermahnte ich ihn, [in seinen Studien] bessere Fortschritte zu machen. Komme ich einmal nach Lausanne, so wird sich dazu besser Zeit finden; die Bescheidenheit, die er zeigte, lässt Gutes von ihm hoffen. Lebwohl, trefflicher Mann und verehrter Bruder. Herrn Sturm und die übrigen Freunde grüße vielmals von mir. Der Herr segne, behüte und leite dich samt Weib und Kindern. Unsere Freunde lassen dich herzlich grüßen.

Genf, 10. Januar 1558.
Dein
Johannes Calvin.

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