Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (519)

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (519)

Nr. 519 (C. R. – 2597)

Weggelassen eine undurchsichtige Notiz. Zur politischen Lage vgl. 483. 488. Die drei Städte sind Zürich, Schaffhausen und Basel. Das unfertige Werk war Calvins Kommentar zu Hosea. P. M. Vermigli war als Pellikans Nachfolger Professor für altes Testament in Zürich.

Politisches und Literarisches.

– – – Kürzlich haben unsere Nachbarn [in Bern] uns wieder so fürchterlich gedroht, dass es nicht wahrscheinlich ist, dass sie noch lange Ruhe und Frieden halten; schon jetzt sind alle ihre Schreiben voll von Schmähungen und Schreckworten. Weil nun die lange Frist die Genfer ängstlich macht und diese neuen Forderungen von Bern dazu kommen, so möchte ich dich, verehrter Bruder, wieder und wieder dringend bitten, mich doch wissen zu lassen, was die drei Städte unter sich beraten haben, was sie darauf für Bescheid erhalten haben, wie die Sache steht, auf welchen Ausgang man hoffen darf, und wie lange die Verhandlung noch hinausgezogen werden soll. Mehr braucht es bei dir ja nicht; du wirst schon dafür sorgen, dass der Bote nicht leer zurückkommt, dem ich ein noch unvollendetes Buch von mir augeladen habe, – nicht, um dich mit solcher Lektüre zu langweilen, sondern nur damit du siehst, wie wenig unsere Buchdrucker zu tun haben, dass sie solches Zeug herausgeben; zugleich kann auch Herr Pietro Martire daraus lernen, dass er seine reifen Geistesfrüchte herausgeben sollte, wenn er sieht, welche Frühgeburten ich ans Tageslicht bringen lasse. Ich weiß noch nicht, wann Ihr kommen wollt; doch bin ich überzeugt, dass Ihr kommt, und die Reisezeit naht schon, wenn Ihrs nicht etwa auf April verschieben wollt. Doch möchte ich nicht, dass Ihr diesen Monat auch vorübergehen ließet; dann werden wir auch allerlei von der Messe haben, worüber wir beraten können. Lebwohl, hochgeachteter, verehrter Bruder. Meine Kollegen und die übrigen Brüder lassen dich vielmals grüßen; richte auch deinen Kollegen viele Grüße von mir aus. Der Herr behüte, leite und stärke Euch alle.

Genf, 17. Februar 1557.
Dein
Johannes Calvin.

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