Calvin, Jean – An Francois Hotman in Straßburg.

Calvin, Jean – An Francois Hotman in Straßburg.

Nr. 497 (C. R. – 2466)

Hotman (vgl. 262, 285), der damals in Straßburg lebte, hatte sich bei Calvin über Francois Baudouin (vgl. 458) bitter beschwert. Dieser, ein bekannter französischer Rechtsgelehrter, hatte sich 1547 in Genf aufgehalten und mit Calvin intim verkehrt; bald darauf als Professor nach Bourges berufen, war er wieder katholisch geworden; im Jahre 1556 wendete er sich wieder zum Protestantismus und kam nach Genf; dann ging er nach Straßburg und nahm von hier aus eine Berufung an die Universität Heidelberg an, ohne sich vorher in Straßburg zu beurlauben; mit Hotman stand er in persönlicher Feindschaft; seine Gegner warfen ihm vor, elfmal in zwanzig Jahren die Religion gewechselt zu haben. Calvin hielt ihn damals noch für seinen Freund. Weggelassen ist eine kurze unverständliche Notiz.

Über die Heftigkeit.

Ich wollte, du könntest über deine maßlose wütende Entrüstung selbst lachen, damit du damit nicht andere lachen oder klagen machst. Aber aus deinem Briefe sehe ich, dass du heute um nichts ruhiger bist, als du es bei den ersten Zusammenstößen warst. Könntest du doch lernen, die Schmerzen, die dich so übertrieben aufregen, verlachen oder verachten, damit nicht die Maßlosigkeit, die du, ohne es selbst zu wissen, an den Tag legst, dein Ansehen bei manchem ernsten, rechtschaffenen Manne vermindere. An den trägen Gesellen denke ich dabei nicht, dessen Lauheit und Langsamkeit du damals mit solchem Gleichmut ertrugst, als er in deiner Privatangelegenheit, in der du ihn gern etwas eifrig gesehen hättest, so kalt blieb. Aber andere, glaube mir das, werden sich, wenn du dich nicht rechtzeitig mäßigst, über deinen Charakter in aller Stille ein Urteil bilden, das dich von Rechtswegen mehr betrüben müsste als die mancherlei Kleinigkeiten, die dir jetzt in deiner Aufregung viel zu viel zu schaffen machen. Denn wenn sie dir auch in ihrer Güte und Gewogenheit verzeihen, so billigen sie doch die Fehler nicht, deretwegen ich jetzt so frei heraus mit dir rede. Mag dieser Baudouin sich dann mit seinen bösen Ränken selbst den Untergang heraufbeschwören; du darfst trotzdem nicht so sehnlich herbeiwünschen, was doch eher zu bedauern wäre. Was soll denn dieses übereifrige Forschen nach Baudouins Gehalt? Warum regt es sich so auf, wenn er dich schon als seinen Nachfolger nennt? Was ist denn das Besonderes, wenn er wünscht, seine Stelle von dir eingenommen zu sehen, ehe er um die Entlassung bitten muss, umso mit weniger bösem Gerede und Ärger übersiedeln zu können? Tatsächlich, bis sich deine aufgeregte Galle beruhigt hat, brauchts bloß ein nichts, um sie gleich überlaufen zu machen. Denke daran, dass dir das einer sagt, der selbst wohl weiß, dass er heftiger und leidenschaftlicher ist, als er sein möchte, der aber gelernt hat, sein Temperament im Zaum zu halten und täglich manchen Angriff aushält, mit dem verglichen dein Streit mit Baudouin ein Kinderspiel ist. – – –

Ich bin von einem Wechselfieber genesen, doch so, dass ich noch schwach auf den Beinen bin. Ich habe immerhin heute wieder sitzend predigen können; allmählich werde ich auch wieder zu Kräften kommen. Lebwohl, trefflicher Mann und verehrter Bruder.

24. Mai, am Tag, bevor der Bote reist.

Grüße mir deine Frau, dein Söhnlein und die Freunde vielmals. Der Herr behüte Euch alle, er leite und segne Euch.
Dein
Johannes Calvin.

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