Calvin, Jean – An Antistes Simon Sulzer in Basel

Calvin, Jean – An Antistes Simon Sulzer in Basel

Nr. 379 (C. R. – 1793)

Simon Sulzer (vgl. 229, 230, 233) war nach Mykonius Tode 1552 Antistes von Basel geworden; in Erinnerung an seine frühere Stellung in Bern nennt Calvin die Berner seine Schüler. Der Genfer Stadtseckelmeister, der den Brief an Sulzer brachte, hieß Claude du Pan. Die in Lyon verbrannten Märtyrer waren die Brüder Marsac und Gravot; Pelloquin wurde ebenfalls anfangs September zu Villefranche verbrannt.

Von Servet und den Lyoner Märtyrern.

Da Michel Servet schon vor zwanzig Jahren die christliche Welt mit seinen giftigen, verderblichen Lehren verseuchte, so ist dir jedenfalls sein Name nicht unbekannt. Hast du sein Buch nicht gelesen, so wäre es doch kaum möglich, dass du nicht von der Art seiner Lehre gehört hättest. Er ist der, von dem Herr Butzer, der treue Diener Christi seligen Angedenkens, der doch sonst milder Art war, auf der Kanzel gesagt hat, er verdiene, dass man ihm die Eingeweide aus dem Leibe reiße. Wie er nun seither nicht aufgehört hat, sein Gift zu verbreiten, so hat er kürzlich zu Vienne einen umfangreicheren Band, aber aus denselben Irrlehren zusammengeschustert, heimlich drucken lassen. Als die Sache aber herauskam, wurde er eingekerkert. Doch gelang es ihm, ich weiß nicht wie, zu entkommen, und er irrte etwa vier Monate in Italien umher. Schließlich kam er zu seinem Unglück hierher, und einer der Syndics ließ ihn auf meine Veranlassung hin ins Gefängnis führen. Denn ich will nicht verhehlen, dass ich es für meine Pflicht hielt, diesen mehr als verstockten und unbezähmbaren Menschen, soviel an mir lag, unschädlich zu machen, damit die Ansteckung nicht weiter um sich greife. Wir sehen, wie ungehindert überall die Gottlosigkeit herrscht, so dass infolgedessen neue Irrlehren hervorquellen, und wie groß die Trägheit derer ist, denen Gott das Schwert gegeben hat, seines Namens Ehre zu rächen. Wenn doch die Papisten so strenge, leidenschaftliche Schirmherren ihres Aberglaubens sind, dass sie in furchtbarem Wüten das Blut Unschuldiger vergießen, so müssten ja christliche Obrigkeiten sich schämen, wenn sie nicht den Mut hätten, die sichere Wahrheit zu schützen. Freilich gestehe ich, nichts wäre weniger nach meinem Sinn, als die Maßlosigkeit ihres Wütens nachzuahmen. Aber ein gewisses Maß muss da sein, damit nicht jeder Gottlose seine Lästerungen ungestraft ausspeien darf, wenn mans hindern kann. Dreierlei ist an dem Menschen zu beachten. Erstens, mit welch ungeheuerlichen Irrlehren er die ganze Religion verdorben hat, mit welch abscheulichem Gespött er versucht hat, alle Frömmigkeit zu untergraben, mit welch hässlichen Wahnideen er das Christentum vermengt und alle Grundsätze unseres Glaubens umstürzen will. Zweitens, wie hartnäckig er sich benimmt, mit welch teuflischem Hochmut er alle Warnungen verachtet, mit welcher verzweifelten Verstocktheit er sich Hals über Kopf auf die Verbreitung seines Gifts geworfen hat. Drittens, wie hochmütig er auch heute noch seine freveln Behauptungen festhält. So weit ist er davon entfernt, auf Reue hoffen zu lassen, dass er vielmehr nicht zögert, so heiligen Männern, wie Capito und Ökolampad den Makel anzuheften, sie seien seine Gesinnungsgenossen gewesen. Als man ihm Briefe Ökolampads zeigte, sagte er, er wundere sich, durch welchen Geist Ökolampad von seiner frühern Meinung abgebracht worden sei. Weil ich hoffe, du werdest es dir angelegen sein lassen, die Gottlosigkeit dieses Menschen mit den Worten zu schildern, die sie verdient, so will jetzt nicht mehr beifügen. Nur auf eins will ich dich aufmerksam machen: unser Stadtseckelmeister, der dir diesen Brief bringt, ist in dieser Sache recht gesinnt, so dass er wenigstens den Ausgang, den wir wünschen, nicht scheut. Wären nur deine alten Schüler [in Bern] auch so gesinnt!

Von den französischen Verhältnissen will ich nichts schreiben, da ich glaube, wir wissen hier nichts Neues, das Euch nicht auch bekannt wäre. Außer dem etwa, dass letzten Samstag drei fromme Brüder zu Lyon verbrannt worden sind; ein vierter wurde zur selben Strafe in einen Nachbarort gesandt. Kaum glaublich ist es, da es ungelehrte Leute waren, mit welch hellem Licht des Geistes Gottes sie zur höchsten, vollendetsten Bezeugung der Lehre erleuchtet wurden, soweit es die Sache erforderte, und mit welcher Kraft zum unüberwindlichen Festhalten Gott sie ausrüstete. Einer war zuerst, von Furcht betäubt, vom reinen Bekenntnis abgewichen. Als die Richter schon fest entschlossen waren, ihn freizulassen, da bekannte er seine Untreue und Heuchelei und bot sich fröhlich zum Feuertode dar. Auch in andern Gegenden Frankreichs flammen ähnliche Brände, und es ist keine Hoffnung, sie löschen zu können. Lebwohl.

Genf, 9. September 1553.

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