Calvin, Jean – An die Pfarrer von Frankfurt

Calvin, Jean – An die Pfarrer von Frankfurt

Nr. 376 (C. R. – 1780)

Bitte um Vernichtung der Schriften Servets.

Den Namen des Spaniers Servet, der vor 20 Jahren mit einem giftigen Büchlein voll der gotteslästerlichen Irrtümer Euer deutsches Land anstecken wollte, habt Ihr zweifellos auch schon gehört. Nun hat dieser windige Geselle, der, aus Deutschland flüchtig, in Frankreich unter falschem Namen verborgen gelebt hat, kürzlich aus jenem frühern Buch und neune Erfindungen, die er selbst fabriziert hat, einen größern Band zusammengeschustert, der in Vienne, einer Stadt in der Nähe von Lyon, heimlich gedruckt wurde. Viele Exemplare davon wurden auf die letzte Ostermesse nach Frankfurt gebracht, doch hat der Reisende des Buchdruckers, ein frommer und rechtschaffener Mann, als man ihn darauf aufmerksam machte, dass nichts darin stehe als ein ungeheures Allerlei von Irrlehren, seinen Vorrat unterdrückt. Von wie vielen Irrtümern, ja geradezu ungeheuerlichen Gotteslästerungen, das Buch strotzt, wäre zu weitläufig zu berichten. Stellt Euch nur ein Sammelsurium vor, zusammengestückt aus den gottlosen Wahnideen aller Zeiten; denn keine Art Gottlosigkeit gibt’s, die diese Bestie nicht gleichsam aus der Hölle herauf beschworen hat. Es ist mir lieber, Ihr bildet Euer Urteil aus der Lektüre des Werkes selbst. Ihr werdet sicher auf jeder Seite etwas finden, was Euer Entsetzen wachruft. Der Verfasser wird von unsrer Obrigkeit im Gefängnis gehalten und wird hoffentlich bald seine Strafe erleiden. Eure Pflicht ist es nun, zu verhüten, dass nicht sein unheilvolles Gift sich weiter ausbreite. Der Bote wird Euch sagen, in welchem Lager die Bücher sind und wie viele es sind. Der Buchhändler wird, wenn ich mich nicht irre, zugeben, dass sie verbrannt werden. Machte dies einige Schwierigkeit, so hoffe ich, Ihr seid so beherzt, trotzdem die Welt von so gefährlicher Verseuchung zu säubern. Die Art des Vorgehens wird Euch leicht sein; ist die Sache auf Euer Urteil hin erlaubt, so ists nicht nötig, dass Ihr die Obrigkeit ersucht, Hand anzulegen. Obwohl ich von Eurer rechten Gesinnung so überzeugt bin, dass es genügte, Euch nur auf die Sache aufmerksam zu machen, so verlangt es doch ihre Wichtigkeit, dass ich Euch im Namen Christi beschwöre, lasst die Gelegenheit nicht vorbei gehen, mit Eifer Eurer Amtspflicht zu walten. Lebtwohl, geehrteste Herrn und sehr liebe Brüder. Der Herr leite Euch mit seinem Geiste, halte Euch in seiner Hut und segne Euer Wirken.

Genf, 27. August 1553.

Kommentare sind geschlossen.