D. Johann Bugenhagens Schreiben an den Rath zu Augsburg

D. Johann Bugenhagens Schreiben an den Rath zu Augsburg

D. Johann Bugenhagens Schreiben an den Rath zu Augsburg wegen eines Kirchen-Vorstehers.

Aus einer alten Handschrift.

GOttes Gnad durch seinen eingebohrnen Sohn JEsum Christum, unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer zuvor, Ehrfeste, Erbare, Weise, Fürnehme, Günstige Herren. Euer Erbarkeiten wisssen, das die Göttlich Weisheit beydes verkündiget hat, das in dieser lezten Zeit viel grössere Zerrüttungen sein werden, dann zuvor gewesen, und das dannoch der Sohn Gottes ihm ein ewige Kirch sammeln werde, und werde sie bey diesen sammlen, da reine Lehr des Evangelii gepredigt wirdt. Hat auch befolhen, das alle Menschen zu Pflanzung rechter Lehr ein jeder nach seinem Stand, dienen soll. Darum ob gleich diese Zeit unruhig ist, thun doch Euer Erbarkeit löblich und christlich, das sie für haben, ihre Kirchen recht zu bestellen, und können wir wol achten, wie ein grosse Betrübnus in allen verständigen Christen bey euch ist, wenn sie die jämmerliche Zerstreuung der Kirchen, die biß anher gewesen, anschauen. Bitten auch den Sohn Gottes, er wolle Gnad geben, das die Kirchen seeliglich bestellt werden, und wölle wiederum ein gnedigen Frieden geben.

Nachdem aber Euer Erbarkeiten begehren, das wir ein Mann anzeigen wöllen, dem Euer Kirchen als einem Pastori zu befehlen sey, können Euer Erbarkeit selbs bedenken, das solche Personen, die ein gebührlich Alter, Verstand und Uebung haben, ihre Dienst nicht leichtlich verlassen können. Gleichwol haben wir nach Gelegenheit Euer löblichen Stadt auff drey tüchtige Männer gedacht, nemlich auff die Ernwürdigen und Hochgelehrten Herren Doctorem Erhardum Schnepf, zu Ihen, und Herren Erasmum Sarcerium zu Leipzig und Doctorem Johann Förster in dieser Universität, und zweifeln nicht, Euere Kirche würde mit dieser einem,. dieweil sie alle drey gottsförchtige, wohlgelehrte, verständige, geübte, und ernste Männer sind, die nicht gewanckt haben, sondern in einer Lehr fest und bestendiglich blieben, wohl versorget sein. Sunst haben wir in der Universitet junge, gottsförchtige, wohlgelehrte Männer, als nemlich Magistrum Wilhelmum Haußmann von Dolz, der in Augspurg bekannt ist, und andere, und so Euer Erbarkeit solcher Personen bedürfften, haben wir nicht Zweifel, dieser Wilhelmus würde nützlich dienen, denn er predigt allhie oft, und schaffet viel Guts in Unterweisung der Ordinanden.

Diese unsere Antwort wöllet von uns freundlich verstehen, und mögen Euer Erbarkeit an der ernennten Männer einen schreiben, mögen auch uns wiederum zu wissen thun, was sie weiter bedencken  werden. Wir bitten auch Euer Erbarkeiten wollen diese Sach also ordnen, das in allen Kirchen einträchtige Predig sey, und nicht den Päbstlichen oder andern Widerwärtigen, etliche Kirchen eingeraumt werden. Auch bedencken wir, das zu arbeiten sey, das der Ernwürdige Herr Johann Brenzius ein Zeitlang zum Anfang zu Augspurg sein wolt. Der Allmächtig Gott wolle Gnediglich Euer Löbliche Statt und Kirchen, und Euer Erbarkeit, und die euern allzeit bewaren. Datum Witeberg am 12. Tag Maij des 1552. J.

Johannes Bugenhagen+
Pomer D.
Pfarrer zu Wittemberg.

Ergötzlichkeiten aus der Kirchenhistorie und Literatur
Johann Georg Schelhorn
Sechstes Stück
Ulm, 1762
Auf Kosten der Bartholomäischen Handlung

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