Blarer, Ambrosius – An Herzog Christoph von Württemberg

Blarer, Ambrosius – An Herzog Christoph von Württemberg

Durchleuchtiger Hochgeborner Fürst gnediger Herr, Gleich nachdem der durchleuchtig hochgeborn Fürst und Herr Herr Ulrich Hertzog zu Wirttemberg und zu Tegkh Grave zu Mümppelgart rc. E. F. G. Herr Vatter mein gnediger Fürst und Herr säliger hochloblicher Gedächtnus Sr. F. G. Fürstenthum widerumb erobert, hab uff Sr. F. G. gnedigs Ansynnen ich mich ins Land gethon und vier gantzer Jar lang darinnen gros Unruw Müeh und Arbayt gehabt, wie des noch vil guthertziger Ehrnleut gut Wissen tragen.

Es hat auch damals uff hochgenannte meins gnedigen Fürsten und Herrn gnedigs Beger der edel und vest Mann günstiger lieber Junkherr Hanns Harder mich und mein Knecht zu im genommen u. Sr. F. G. zu unterthenigen Gefallen uns alle Unterhaltung, Atzung, Geliger, Behausung, Beholtzung, Liechter u. alle andere Notturfft reichlich dargereicht, darfür ime dann alle Wochen zwen Gulden verordnet worden.

Und als ich ungevärlich ein Vierteil eines Jars im Lannd gewesen, bin ich von hochgedachtem meinem gnedigen Fürsten und Herrn säligen hochloblicher Gedächtnus mit achtzig Gulden gnediglich verehrt und bezalt worden.

Darnach über ein kleine Zeit sagt sein F. G. selbs zu mir, sie wölte mit der Besoldung mich gleich wie Meister Erhart Schnepffen halten, wölchem järlich zweyhundert Gulden gereicht worden, das ich wie pillich von sein F. G. zu unterhenigem Dankh annam, hab also daruff all mein Rechnung u. Zerung angericht u. gar keines Fürschlags begert, sondern vielmehr gedacht, mein Amt one Nachteil zu vollstrecken und derhalben im ersten Jar da allenthalbenher vil guter armer Gesellen zulieffen u. an mich Versehung begerten, ich aber damals noch nit wissen mocht wohin u. wie vil man Kirchendiener nottürftig und welche unter denselben sich bekeren u. bleiben würden, manchen Gulden von dem Meinen ußgeben, damit die armen guten Männer so weit her gezogen u. nit versehen werden mochten unclagbar wären, sonderlich dieweil sie allweg an mich begerten inen bei hochbemeltem meinem gnedigen Fürsten u. Herrn säligen einen Zerpfenning zu erlangen und ich aber des weder Fug noch Statt haben mocht.

Und ist mir also für mein oben angezeigt groß Unruw Müeh u. Arbayt, die obgemelten vier Jar lang gehabt, über die obbestipt Achtzig Gulden Verehrung weiter weder Heller noch Pfenning gegeben worden. Dann wiewol in meinem Abschied uff mein damals beschehen unterthenig Supliciren mir zweyhundert Gulden uff Gretcingen geschickt, so wurd doch dabey geschriben, daß ich dieselben für mein Abfertigung haben und davon obgedachten Hannsen Hardern, dem von mein u. meines KKnechts wegen wochentlich als obsteht, zwen Gulden verordnet waren, auch bezahlen sollt, und fand sich aber an Rechnung, daß sollich zwey hundert Gulden eben gemeltem Harder gepürten, wölche ich ime auch gelassen u. nach hochgenannts meins gnedigen Fürsten u. Herrn säligen selbs eigener beschehner gnediger bewilligter Besoldung stand mir uff disen Tag noch unerstattet uffen 320 Gulden, wölche auch dieweil ich im Fürstenthum gewest durch die oben angezeigten meine Ußgaben u. in anderweg uff mich gangen sind u. ich von dem meinen eingebießt hab.

Ich sollt auch billich hierinnen gnediglich geniessen, daß ich auch ein Ordensmann im Fürstenthumb, namlich im Closter Alperspach geweßt u. nie keines Leibgedings begert hab, wie dann den andern allen so die Clöster vor u. nach Sr. F. Gn. Einkommen uff Gott verlassen, gnedige järliche Leibgeding widerfaren u. verschriben worden seind.

Und das alles wie oben erzelt, hab vor etlichen verschienenen Jaren, E. F. Gn. als die zu Costenntz geweßt, ich uff das kürtzest untertheniglich mundtlich bericht untertheniger Hoffnung, E. F. Gn. seye des noch gnediglich eingedenkh.

Und dieweil dann E. F. Gn. jetzo regiert u. Herr u. Lands Fürst ist, und die Pillichkeit hieriinnen selbs gnediglich wol ermessen kann, ich auch diser meiner ußsteenden Besoldung nottürftig bin, So bitt ich untertheniglich, E. F. Gn. wöllen aus fürstlicher Miltigkeit mir dieselben gnediglich widerfarn u. erstatten lassen. Das will umb dieselben E. F. Gn. ich untertheniglich verdienen u. pitt ein gnedig Antwurt.

E. F. G. untertheniger
Ambrosius Blaurer.

Quelle:
Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte Herausgegeben von dem K. Statistisch-Topographischen Buerau 1892

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