Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (273).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (273).

Bullinger hatte Calvin eine neue Vorrede zum Consensus in Briefform vorgeschlagen; zu den Änderungen vgl. 266. Lelio Sozzini war zeitweilig in Basel.

Neue Vorrede zum Consensus. Von den Verfolgungen in Frankreich.

Ich bin zu spät an die Abreise des Boten erinnert worden; denn die Zeit ist mir jetzt recht ungeschickt zum Schreiben, nämlich nach dem Nachtessen, besonders da es mir nicht so gut geht mit der Gesundheit, wie ich wünschen möchte. Doch ist das nun fast das Gewöhnliche; doch heute ist noch etwas mehr dazu gekommen. Der Brief, den du mir zu schreiben auftrugst, war schon vorher von mir abgefasst. Aber ich hatte das Schreiben an dich persönlich aufgeschoben, bis ein zuverlässiger Bote zur Hand sei. Nun habe ich die Gelegenheit, die sich bot, wenn sie auch nicht ganz nach Wunsch war, nicht vorbeigehen lassen wollen. Versuche es nun wiederum, ob den Bernern die Veröffentlichung [des Consensus] mit dieser neuen Vorrede gefällt. Für dich und deine Kollegen bin ich deswegen nicht in Zweifel. Ich glaube, mich an das von Euch Vorgezeichnete gehalten und es nur mit meinen Farben ausgefüllt zu haben. Was ich im Übrigen von den zwei Kapiteln an dich schrieb, hast du wohl noch im Gedächtnis. Ich bin überzeugt, es ist niemand, der diese Ergänzung nicht wünscht. Es ist von sehr großer Wichtigkeit, dass nicht die einen glauben, wie hätten das absichtlich verschwiegen, die andern es doch mit Recht ausgedrückt wünschen, was ja unbedingt notwendig ist. Die dritte Änderung an einem oder dem andern Wort hat ja keine Schwierigkeit mehr. Ich weiß, dass dir und deinen Kollegen die Sache so am Herzen liegt, dass ich mich Eurem Urteil ruhig überlassen kann. Ich werde, was Ihr beschließt, für das Beste halten; auch glaube ich, dass Ihr Eurerseits über meine Wünsche nicht im Unklaren seid. Von hier wage ich fast nicht Neues zu melden. Soviel leeres Geschwätz wird täglich verbreitet. Nur soviel ist Tatsache, dass wir vor mancherlei Gefahr nicht sicher sind, wenn nicht der Herr eingreift. Es ist gut, dass die Christen sicher leben dürfen, weil sie sicher sterben können. Der Franzose wütet so, dass man meinen könnte, er wolle wie die Giganten mit Gott kämpfen. Bewundernswert ist dabei die Standhaftigkeit der Märtyrer. Das ist dem König bisher noch nie widerfahren, dass einer sich freiwillig zum Opfer anbot, um wenigstens frei heraus ein paar Bekenntnisworte für Christum an ihn richten zu können, als der König ging, die Verbrennung anzusehen.

An Lelio schreibe ich nicht, da er vielleicht noch nicht wieder bei Euch ist. Ist er aber wieder da, so wäre es mir lieb, wenn er zu dem Buchhändler ginge, für dessen Zahlung ich Bürge bin. Er findet nun den Preis unbillig; unser hiesiger aber behauptet, es sei nicht so. Ich stehe unschlüssig zwischen ihnen. Aber weil ich mich verbürgt habe, werde ich wegen der Zahlung angegangen. Lebwohl, hochverehrter Bruder im Herrn und hochberühmter Mann, samt deinen Kollegen allen, die ich dich von uns allen angelegentlich zu grüßen bitte. Der Herr behüte Euch, sei stets mit Euch und brauche Euch zur Ehre seines Namens. Amen.

Genf, 13. August.
Dein
Johannes Calvin.

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