Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (262).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (262).

Farel hatte Calvin aufgefordert, nach Zürich zu reisen, um dort für Erneuerung des Bündnisses der Eidgenossen mit Frankreich zu arbeiten, oder aber, wenn er nur schreibe, ihm den Brief (vgl. 261) zu senden. Pharao = der König von Frankreich. Perrin war als Gesandter in Bern gewesen, um den Eintritt Genfs in die Eidgenossenschaft zu bewirken. Laurent de Normandie und Francois Hotman waren französische Refugianten. Hotman, der auch später in der Politik eine Rolle spielte, ist wohl der Mann, dem Calvins Reise nach Zürich ein Gefallen gewesen wäre.

Diplomatisches.

Nach Empfang deines Briefes bin ich ängstlich mit mir zu Rate gegangen, was zu tun sei. Die Mühe der Reise scheute ich nicht. Das Geschwätz habe ich tapfer verachten gelernt. Aber sonst stand mir vieles im Wege. Ich kann keine längere Reise unternehmen, ohne dass vielerlei ausgestreut wird. Doch das wäre das mindeste. Aber was soll ich dem Rat für einen Vorwand angeben, um Urlaub zu erhalten? Es wäre ja leicht etwas zu finden, was als Grund für eine Reise von ein paar Tagen genügte; aber man müsste doch eine längere Zeit in Betracht ziehen. Mehr noch schreckt mich Bern ab. Denn unser Komödien-Cäsar hat sie dort bei seiner letzten Gesandtschaftsreise sehr aufgehetzt und, wie ich fürchte, uns eine böse Geschichte angerichtet. Sobald man nun dort hörte, ich reise dahin, wo du mich haben willst, was würden sie da leichter argwöhnen, als war wir wirklich im Sinn haben. Dazu weißt du, dass es hochmütige Geister sind, mit denen wir zu tun haben. Brieflich lassen sie sich vielleicht sanfter stimmen, wenns keiner sieht und weiß; aber meine Ankunft bei ihnen würde ihnen vielleicht törichte Furcht einjagen. Nun habe ich dir meinen Brief [an Bullinger] abschreiben lassen. Anders konnte ich nicht. Denn einem Manne, von dem feststeht, dass er dem Pharao untertan ist, durfte ich doch nicht den Gefallen tun! Damit der Brief sicher hinkommt, zeige [die Abschrift] niemandem, es sei denn, dass du einen besonderen Vorteil darin siehst. Ich antworte dir kurz, weil ich nach der Predigt gleich zum Essen ging und dann erst nach der Kinderlehre heimkam. Dann habe ich fast den ganzen übrigen Tag gebraucht, mir die Sache zu überlegen. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr Jesus behüte dich und leite dich stets zur Erbauung seiner Kirche. Amen. Den Kollegen viele Grüße. Zeigt sich Euch eine Hoffnung auf mehr Erfolg, so will ich die Reise [nicht aufgeben, sondern] nur verschieben und mich bereithalten, auf deinen Befehl hin zu reisen. Herrn Merveilleux grüße von mir. Mein lieber Laurent und Francois lassen dich freundlich grüßen.

7. Mai 1549.

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