Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (254).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (254).

Weggelassen sind ein paar Sätze über eine bevorstehende Synode in Bern.

Von Farels Übereifer.

Gestern nach dem Abendessen wurde mir Toussaints Brief gebracht. Er griff mein Gemüt so an, dass ich ein sehr schweres Kopfweh bekam. Doch ich habe in aller Eile heute früh geantwortet, weil Toussaint bat, man möge den Boten rasch entlassen. An Euch ist es nun, Abschriften davon herstellen zu lassen und sie den einzelnen Pfarrklassen zu senden. Wir wagten nicht, Euch dieser Mühe zu überheben, damit wir nicht wieder der Anmaßung einer neuen Machtstellung geziehen werden; weil ja unsere Gegner alles wenigstens benagen, wenn sie nicht beißen können. Zugleich erhältst du hier einen Brief unseres lieben Farel, der wieder in uns dringt, wir möchten ihm raten, wozu er wohl Haller mahnen solle. Aber der gute Mann ist wieder nach seiner Art übereifrig. Irgendjemand hat ihm erzählt, von Etienne, Fontaine, Charles [Damont], Maigret und jener ganzen Partei werde mit aller Religion Spott getrieben. Er wundert sich, dass wir nichts täten; als ob in unserer Hand die Heilung läge! Und jetzt hat er an Haller die ganze Geschichte als Tatsache berichtet. So willig ich ihn auf diese gefährlichen Menschen heftig schelten lasse, so glaube ich doch, wir dürfen ihm nicht soweit nachgeben, dass wir um nichts unsere Glaubwürdigkeit gefährden lassen. –

Lebwohl, liebster Bruder im Herrn, samt deiner Frau, der du viele Grüße von der meinigen ausrichten kannst. Grüße auch alle Brüder angelegentlich.

16. Januar 1549.
Dein
Johannes Calvin.

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