Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Straßburg.

Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Straßburg.

Vgl. 181. De Falais war offenbar durch Virets Antwort etwas beleidigt. Der Fuchs ist Kaiser Karl V., dessen Vorgehen im Schmalkaldischen Krieg durch Krankheit gehemmt war. Im Oktober 1546 schloss Moritz, Herzog von Sachsen, seinen verräterischen Vertrag mit dem Kaiser, gegen seinen Vetter, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und seinen Schwiegervater, den Landgrafen Philipp von Hessen. Weggelassen sind unwichtigere Nachrichten.

Entschuldigungen wegen vergeblicher Bemühung in Virets Heiratssache. Trost in der Krankheit. Politische Nachrichten. Erörterungen über die Abendmahlsfrage.

– – Der Heirat wegen, von der ich Ihnen schrieb, Monseigneur, bitte ich Sie, meinen Worten Glauben zu schenken. Ich will Ihnen die reine Wahrheit erzählen und nichts verheimlichen. Der Grund, der mich bewog, Ihnen zu schreiben, war, dass man dem Manne hier eine Partie antrug, die ihm nicht passte. Der heftigen Leidenschaft gewisser Leute wegen, die sich damit befassten, waren wir aber in Verlegenheit um eine ablehnende Antwort. Um diesen Anschlag zu durchkreuzen, wäre es mein Wunsch gewesen, es hätte sich in Straßburg etwas gefunden; denn es hätte viel weniger Neid und Eifersucht gegeben, wenn er eine Frau von weit her genommen hätte. Wir hatten es nämlich schon erfahren, wie gewisse Leute darüber murrten, dass wir nicht gingen, wie sie am Schnürchen zogen. Im Übrigen versichere ich Sie, dass damit keinerlei Hintergedanken verknüpft waren, sondern ich wollte Ihnen nur den Mann in seiner Verlegenheit anempfehlen, wobei ich weder an die dachte, von der Sie mir gnädigst schrieben, noch an irgendeine andere. Nun wissen Sie, dass der erste Brief lang unterwegs blieb, ehe wir Nachricht von Ihnen erhielten; das veranlasste mich, nochmals zu schreiben, auf seinen besonderen Wunsch, obwohl ich eigentlich nicht recht einsah, warum. Denn unterdessen sprach man, wie ich seither vernahm, ihm bereits von etwas anderem. Trotzdem teilte ich es ihm mit, als ich Nachricht von Ihnen bekam, und sein Entschluss war so, wie ichs Ihnen gemeldet habe, ohne falsche Komplimente und Ausflüchte. Seither habe ich gehört, dass man immer noch von einer Witwe spricht; freilich weiß ich momentan nicht, wie die Sache geht. Ich habe mich gar nicht drein gemischt. Obwohl ich selbst in Genf eine Witwe wusste, so passend, dass ich sie mir selbst zur Frau wünschte, wenn Gott mich durch Verlust meiner Gattin heimgesucht hätte und ich mich wieder verheiraten müsste, so zog ich in Betracht, was von andrer Seite für ihn getan wurde und wollte nicht mehr mich einmischen und sie vorschlagen. Und das, obwohl ich es für einen besonderen Nutzen gehalten hätte. Da ich aber meine Freundespflicht zur Genüge getan, so gab ich mich jetzt damit zufrieden, ihn Gott anzuempfehlen und das Wasser laufen zu lassen, wie es wollte. So sprach ich denn auch Ihnen meinen Dank aus ohne Heuchelei und wies die Schwierigkeiten nach, die diese Sache hatte. Ich glaube auch nicht, dass bei dem Mann, für den ich Sie bat, ein Falsch war; ja ich wage, Ihnen das zu versichern. Aber in ein paar Stunden kann sich viel ändern. In Betracht der gegenwärtigen Lage teilte ich ihm nichts vom Inhalt Ihres Briefes mit. Ich brauche mich da nicht lange bei Ihnen zu entschuldigen. Es ist auch gut, dass die Sache nicht bekannt geworden ist. Deshalb können Sie nun nach Ihrer Klugheit die ganze Sache so ansehen, als ob nie davon geredet worden wäre. Freilich soll Ihr guter Wille gegen mich und auch gegen den, den es ja hauptsächlich anging, nicht begraben sein. Denn ich kann Sie versichern, dass er ihn bereitwillig anerkennt, und ich weiß, dass er Ihren Eifer im Herzen behält, auch wenn er keinen Erfolg gehabt hat.

– – Obwohl nun Ihre körperliche Schwäche recht lang anhält, so ists doch schon viel, dass es immer ein bisschen vorwärts geht in der Besserung. Nach der schweren Krankheit, die Sie hatten, hat man allen Grund, damit zufrieden zu sein. Doch werden wir nicht aufhören, Gott zu bitten, er möge Sie wieder ganz herstellen, und ihm zu danken, dass er Sie vom Grabesrand gerettet hat. Übrigens hoffe ich nach allem, was er uns sehen lässt, dass er Sie noch tüchtig brauchen will als Gesunden, wie er Sie gebraucht hat als Kranken. Denn wir so danieder liegen in unserem Bett, so heißt das durchaus nicht, dass wir deshalb unnütz wären für ihn, wenn wir ihm nämlich dadurch unsern Gehorsam beweisen und uns ganz in seinen Willen ergeben, wenn wir unsern Glauben dadurch bewähren und der Versuchung widerstehen, wenn wir schließlich die Tröstungen wirken lassen, die er uns gibt zur Überwindung aller Trübsal. Das ist so bei Krankheiten, am meisten bei den langen, die eine besondere Geduldsprobe sind, vor allem aber auch beim Sterben. Trotzdem traue ich, wie gesagt, auf den lieben Gott, der Sie nun durch die Krankheit geprüft hat, er werde Sie auch noch als gesunden Mann zum Guten brauchen. Doch müssen wir ihn bitten, dass er uns bei festem Mut erhält und nicht zulässt, dass wir matt werden im langen Warten.

Obwohl der Rückzug des Fuchses ja noch recht zweifelhaft ist, so ists doch schon ein klein wenig, dass er, statt sein Ziel zu erreichen, wie es sein Vorteil gewesen wäre, den Krebsgang begonnen hat. Soviel wir gehört haben, ist es deutlich zu merken, wie Gottes Hand ihn verfolgt. Ich habe es nun immer lieber, Gott haut ihm nur einen Finger ab, als wir den ganzen Arm. Nicht, als ob es nicht auch Gottes Werk wäre, was er durch uns tut, aber ich habe stets eine solche Furcht vor solchem Siegesruhm, dass mich Gottes sichtbares, eigenes Eingreifen mehr freut. Auch bietet sich dabei dem Unglücklichen mehr Anlass zur Erschütterung seines Herzens. Komme, was will, ich glaube, ich sage die Wahrheit, wenn ich bei der Nachricht von seinem Abmarsch schreibe: Wo geht er hin? Wo ist er hingegangen? Was wird aus dem Bösewicht noch werden? Zum wenigsten hat Gott, indem er ihn so vertrieb, seinen Hochmut vernichtet.

Es geht ein Gerücht, das mich mehr verwirrt und betrübt als überrascht; nämlich, dass Moritz sich mit ihm verbünden wolle, um seinen Vetter und seinen Schwiegervater und damit schließlich sich selbst zu verderben. Dazu müsste ihn doch Satan ganz in Besitz genommen haben. Doch wir wollen abwarten, was Gott gefällt, in aller Bereitschaft, anzunehmen, was ihm gefallen hat. – – –

Noch eins habe ich vergessen, nämlich die Anklage gegen mich, als wolle ich in der Abendmahlslehre im Brot den wirklichen Leib Christi enthalten sehen. Ich weiß nicht, wo man so etwas im Traum bei mir gesehen hat. Ich dachte nie daran. Ich rede über diese Frage in verschiedenen Schriften, hauptsächlich in der Institutio, im Katechismus, im Kommentar zu den Korintherbriefen, und in [der Schrift], über die Art, das Abendmahl auszuteilen. In der Bittschrift berühre ich es nur leichthin. Übrigens habe ich auch ein Schriftlein eigens darüber verfasst. Ich glaube nicht, dass ein urteilsfähiger Leser irgendwo einen Widerspruch [zwischen meinen Äußerungen] findet. Aber das ists, manche glauben, man könne zwischen Symbol und Wirklichkeit nicht unterscheiden, ohne sie ganz zu trennen, und machen Gott so zum Komödianten, der eitle, unrichtige Dinge im Bilde zeigt. Es ist nun unsere Pflicht, zu erkennen, dass das von der Schlauheit des Satans kommt, der die Geister uneins machen will, damit unser Arbeiten vergeblich sei. So wollen wir Gott bitten, er möge durch seine Gnade Gedeihen geben, dass wir nicht umsonst arbeiten. Solche Beispiele sollen uns anspornen und zugleich bescheiden machen, so dass wir nicht meinen, wir hätten viel geleistet mit unserm Schreiben. So empfehle ich mich samt meiner Frau, Monsieur, Ihrem und Ihrer Frau Gemahlin Wohlwollen und will den lieben Gott bitten, Sie stets zu bewahren in seinem heiligen Schutz, Sie zu stärken durch seinen Geist in jeder Tugend und seine Herrlichkeit immer mehr in Ihnen leuchten zu lassen.

Genf, 16. November 1546.

Bitte entschuldigen Sie meine Fehler; ich konnte nämlich diesen Brief nicht mehr durchlesen, da mich das Kopfweh befallen hatte. Unser Bruder des Gallars empfiehlt sich Ihnen ergebenst und sendet Ihnen ein Distichon, das er auf den Fuchs gedichtet hat. Wir sehnen uns sehr nach Nachrichten. Ließe der Krieg nicht alle Druckerpressen feiern, so hätte ich Wendelin den Galaterkommentar gesandt; aber da die beiden Korintherbriefe noch in der Truhe liegen, brauche ich mich nicht zu beeilen.

Ihr ergebener Diener, Bruder und guter Freund
Johann Calvin.

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