Luther, Martin – An seine Frau, wahrscheinlich vom 28. Juli 1545 aus Leipzig.

Luther, Martin – An seine Frau, wahrscheinlich vom 28. Juli 1545 aus Leipzig.

Luther ist im Jahre vor seinem Tode im Unmuth über Wittenberg von da weggegangen war. Von dieser Reise ist der gegenwärtige Brief geschrieben.

G. u. F. Liebe Käthe, wie unser Reise ist gangen, wird dir Hans alles wohl sagen; wiewohl ich noch nicht gewiß bin, ob er bey mir bleiben solle, so werdens doch D. Caspar Creuciger und Ferdinandus wohl sagen[i].

Ernst von Schönfeld[ii] hat uns zu Lobnitz schon gehalten, noch viel schoner Heinz Scherte zu Leipzig[iii]. Ich wollts gerne so machen, daß ich nicht durft wieder gen Wittenberg komen. Mein Herz ist erkaltet, daß ich nicht gern mehr da bin, wollt auch, daß du verkauftest Garten und Hufe, Haus und Hof; so wollt ich M. G. H. das große Haus wieder schenken, und wäre dein Bestes, daß du dich gen Zulsdorf setzest, weil ich noch lebe, und kunnte dir mit dem Solde wohl helfen, das Gutlin zu bessern, denn ich hoffe, M. G, H. soll mir den Sold folgen lassen, zum wenigsten ein Jahr meines letzten Lebens. Nach meinem Tode werden dich die vier Element zu Wittemberg doch nicht wohl leiden, darumb wäre es besser bei meinem Leben gethan, was denn zu thuen seyn will. Vielleicht wird Wittemberg, wie sichs anläßt, mit seinem Regiment nicht S. Veits Tanz, noch S. Johannis Tanz, sondern den Bettler-Tanz oder Belzebubs Tanz kriegen; wie sie angefangen, die Frauen und Jungfrauen zu bloßen hinten und vornen, und niemand ist, der da strafe oder wehre, und wird Gottes Wort dazu gespottet. Nur weg und aus diesem Sodoma. Ist Lecks Bachscheiße, unser ander Rosina und Deceptor noch nicht eingesetzt, so hilf, was du kannst, daß der Bosewicht sich bescheißen musse. Ich habe auf dem Lande mehr gehort, denn ich zu Wittemberg erfahre, darumb ich der Stadt mude bin, und nicht wieder komen will, da mir Gott zu helfe. Uebermorgen werde ich gen Merseburg fahren, denn Furst George hat mich sehr darumb lassen bitten[iv]. Will also umbherschweifen, und ehe das Bettelbrod essen, ehe ich mein arm alte letzte Tage mit dem unordigen Wesen zu Wittemberg martern und verunrugigen will, mit Verlust meiner sauren theuren Erbeit. Magst solches (wo du willt) D. Pomer und Mag. Philipps wissen lassen, und ob D. Pomer wollt hiemit Wittemberg von meinenwegen gesegnen; denn ich kann des Zorns und Unlusts nicht länger leiden. Hiemit Gott befohlen, Amen. Dienstag Knoblochstag[v], 1545.

Martinus Luther.

 

[i] Dr. Caspar Cruciger, Luthers College, ist hinlänglich bekannt; wer die andern Reisegefährten gewesen, wissen wir nicht. Hans konnte vielleicht sein ältester Sohn sein.

[ii] Das Dorf Löbnitz, wo Ernst von Schönfeld seinen Sitz hatte, lag zwischen Düben und Leipzig.

[iii] Heinrich Scherl, ein angesehener Kaufmann in Leipzig, der sich erbot, Dr. Pfeffingern, wenn man ihn zum Pfarrer in Leipzig mache, jährlich 25 Gulden zu geben

[iv] Dieß geschah auch und am 2, August vollzog Luther die Ordination des frommen Herzogs zum Bischof von Merseburg.

[v] Ist kein eigentlicher Kalendertag, sondern wahrscheinlich irgend eine locale Benennung, Das Datum steht anderweit fest

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