Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (118).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (118).

Im September 1544 veröffentlichte Luther ein „Kurzes Bekenntnis vom Abendmahl“, das den alten Streit um das Abendmahl plötzlich wieder erneuerte.

Im Sakramentsstreit lässt sich nichts vermitteln.

Du rietest mir neulich, nach Zürich zu reisen, um die Brüder dort [zum Frieden] zu mahnen. Ich sehe nicht ein, was das nützen könnte. Erstlich weiß ich gar nicht, was sie Schlimmes getan haben, da ich weder ihre Bücher noch ihre Briefe je gelesen habe, deretwegen Luther so zornentbrannt ist. Ich habe die Antwort ja schon in Händen, die mir zu teil würde von ihnen. Sie werden die außerordentliche Geduld herausstreichen, mit der sie bisher versucht hätten, Luther milde zu machen. Bullinger hat nämlich schon vor ein paar Monaten, als er sich in einem Brief bei mir über Luthers Grobheit beschwerte, seine und seiner Freunde Sanftmut außerordentlich betont. Zweitens, auch wenn ich nach Zürich käme, wohl bekannt mit allem, was sich auf diese Sache bezieht, und die Zürcher verhinderte, in Zukunft irgendwelchen Streit anzufangen, so nützte das doch gar nichts. Denn die Gefahr droht nicht von ihnen, sondern von Luther. Der müsste besänftigt werden. Oder soll etwa den Zürchern abgerungen werden, dass sie demütig Luther um Verzeihung bitten? Man hätte viel früher davor sein müssen, die Intriguen überhaupt entstehen zu lassen. Aber wer von uns konnte das voraussehen? So wollen wir den Herrn anrufen, der allein dies Übel heilen kann. Freilich, einen bösen, verderblichen Brand wird es geben. Aber wir wollen abwarten, welches Ende er nehmen wird. Lies, was ich an Schnepf geschrieben habe, und melde es Toussaint, wenn es dir gut scheint, dass mein Brief abgesandt wird. Lebwohl, mein Bruder. Der Herr behüte dich. Grüße alle Brüder.

[10. Oktober 1544].

Dein

Johannes Calvin.

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