Calvin, Jean – An Johann Sturm, Rektor in Straßburg.

Calvin, Jean – An Johann Sturm, Rektor in Straßburg.

Sturm als Straßburger steht auf seiten des Kaisers, Calvin als Franzose wünscht den Sieg Frankreichs. Man fürchtete, das Elsass werde der Schauplatz des Krieges sein. Antiochus nennt Calvin den Kaiser, Pharao den König von Frankreich.

Persönliche Freundschaft trotz politischer Gegnerschaft.

Wenn das Gerücht wahr ist, das sich plötzlich bei uns verbreitet hat, müsst Ihr wohl nicht mehr weit vom Lärm des Krieges sein. Wollte doch die Welt Vernunft annehmen! Dann wäre sie längst gewöhnt, unter Gottes Schutz den Frieden zu pflegen. Weil aber die Mehrzahl am Krieg mit Gott nur zu große Freude hat, so ists nur billig, dass alle, die sich nicht ruhig dem Friedebringer unterwerfen wollen, im Kampf miteinander elend zugrunde gehen. Nur das kann uns als Trost im Unglück freuen, dass die lauten Kriegsunruhen für die Kirche Gottes eine gewisse Ruhe mitbringen. Der Macht des Antiochus wird Einhalt getan werden. Unser Nachbar Pharao wird, wenn seine heftige Leidenschaft sich anderswohin wendet, vielleicht nachlassen in seinem Wüten im Lande selbst. Vielleicht können ihn auch seine neuen Freunde etwas milder stimmen. Ich will es lassen, dich zu mahnen, wie du Partei ergreifen sollst, weil ich überzeugt bin, dass da doch jeder ziemlich nach seinem Willen handelt. Übrigens, ob uns eine Zerstreuung bis zum äußersten droht, oder ob, wie wir lieber hoffen wollen, der Herr in den Wirren der Welt, die, die jetzt zerstreut elend herumirren, in sein himmlisches Reich sammeln will, so wollen wir doch in guten Treuen unsere Freundschaft pflegen, deren Band hochheilig ist.

Ich nehme unser neues Verhältnis [als Gegner in der Politik] so auf und stimme ihm meinerseits so zu, dass damit die Erinnerung an unser altes [als Freunde] nicht dahin sei und nichts an festem Vertrauen einbüße.

[24. Juni 1544.]

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