Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Farel hatte vergessen, in einem Brief an Viret Calvin zu grüßen; in einem verlorenen Brief tadelte ihn Calvin deswegen, worauf sich Farel entschuldigte.

Vom Kampf in Neuchatel, den Kollegen und der Gemeinde in Genf.

Über meine Strafrede brauchst du nicht so sehr bekümmert zu sein; ich wollte mehr mit dir scherzen, als mich ernstlich über dich beschweren. Denn ich weiß zur Genüge, dass du mich nicht vergessen hast, auch wenn du mich hundertmal in deinen Briefen übergehst. Deshalb befehle ich dir, in dieser Beziehung ganz sicher zu sein. Wenn du nur auch so leicht mit denen ausgesöhnt wärest, die dich und deine Gemeinde plagen und ermüden. Obwohl, wie du sagst, wir den Kampf mit der Welt und dem Fleisch nicht scheuen dürfen, ja, wenn wir Christo dienen wollen, ihn suchen müssen, so dürfen wir doch wünschen, dass alles, was heute noch Krieg führt gegen Christum, sich eher zu freiwilligem Gehorsam ergebe, als dass des mit Waffengewalt unterjocht, gebrochen, aber nicht gebessert wird. Weil uns aber der Herr in seinem Kriegsdienst üben will und uns nicht ruhen lässt, so wollen wir kämpfen mit tapferm, festem Mut, aber nur mit den Waffen, mit denen er uns ausgerüstet hat. Denn unter seiner Führung wird stets der Sieg nahe sein. Dass Ihr das Abendmahl gefeiert habt, besonders mit der Ankündigung, von der du berichtest, wird hoffentlich die beste Weise sein, die Gemeinde wieder zusammenzubringen. Ich höre auch, dass durch die Mäßigung, die du jetzt anwendest, mancher Leute Herz besänftigt oder überwunden wird. Hast du damit Erfolg, so vergiss nichts, was irgendwie zur Heilung der Wunde gut sein könnte. Das wird der schönste Triumph sein, wenn der Satan und seine paar Vorkämpfer von ihrer Heerschar verlassen werden. Was unsre Sache angeht, so erfahre ich immer mehr [an meinen Kollegen], dass es wahr ist, was du schreibst, von ungleichen Tieren an einem Joch; aber ich muss aushalten, was ich nicht abhalten kann. Darum bin ich zugrunde gerichtet, wenn mir Viret weggenommen wird und kann diese Kirche nicht gesund erhalten. Deshalb musst du und Andere mir verzeihen, wenn ich alle Hebel in Bewegung setze, dass er mir nicht geraubt wird. Ich will unterdessen schon für die Kirche in Lausanne sorgen, und das ganz im Sinn der frommen Brüder und auch nach deinem Urteil, wenn nur Viret mir bleibt. Das erkämpfe ich in Bern mit allen Kräften; damit es aber die Brüder [der Waadt] nicht übel aufnehmen, wenn ich sie übergehend mich an Andere wende, bin ich neulich [an ihre Versammlung] nach Vevey gekommen. Ich erreichte dort mit meinen Gründen, was ich kaum gehofft hatte, dass sie nicht zur zugestanden, sie würden nicht einschreiten, wenn die Berner ihn uns abträten, sondern sie wollten sogar erklären, es scheine ihnen im gemeinsamen Interesse der Kirchen zu liegen, wenn er auf eine gewisse Zeit mir zugesellt werde. Ich möchte nicht, dass du in dieser Sache eigensinniger wärest als so viele Leute, die sonst nicht zu den gefälligsten gehören; denn wir haben hier vielmehr Arbeit, als du denkst. Wir haben zwar ein so ziemlich willfähriges Volk. Die Predigten besuchen sie wenigstens fleißig, die sittlichen Zustände sind recht geordnet, aber doch ist noch viel Böses in den Köpfen und in den Herzen, das, wenns nicht allmählich geheilt wird, schließlich in ein ganz schlimmes Geschwür ausbricht, fürchte ich. So innerliche und verborgene Übel sind nicht ohne große Schwierigkeit zu bekämpfen, wie du wohl weißt. Du weißt auch, welche Mitkämpfer ich noch habe, wenn man mir den Einen nimmt. Für diesen Bruder haben wir treulich besorgt, was uns gut schien. Übrigens wird er, so oft er will, mich zu allem bereit finden, aber jetzt habe ich nicht mehr getan deshalb, weil es mir nicht nützlich vorkam. Bist du anderer Meinung, so will ich doch lieber dir folgen, und nichts von allem, was du mir aufträgst, lassen. Solange wir Zwei hier etwas vermögen, darfst du dich nicht beklagen, du könnest nichts tun, denn du weißt, dass wir ganz dir zu Dienst sind. Lebwohl, bester trefflichster Bruder. Grüße Alle angelegentlich, besonders Cordier, dem ich antworten will, so bald es mir möglich ist. Wir wünschen, dein ganzes Haus sei gesund.

Genf [11. Nov. 1541].

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