Calvin, Jean – An Nicolas Parent in Straßburg.

Calvin, Jean – An Nicolas Parent in Straßburg.

Weggelassen ein paar Sätze über die Rückkehr nach Genf. Nicolas Parent, Calvins Pfarrhelfer an der französischen Gemeinde in Straßburg. Claude Feray ist der zweite Pfarrhelfer; beide waren oft in früheren Briefen erwähnt.

Anweisung an den Vikar wegen des Abendmahls.

Ich beglückwünsche mich und unsere Gemeinde noch mehr als dich, lieber Nicolas, dass sie alle so fleißig zur Predigt kommen und sie ehrfürchtig hören. Denn es war mein höchster Wunsch bei meiner Abreise, dass unsern Brüdern, die Christus durch meinen Amtsdienst leitete, auch in meiner Abwesenheit nichts abgehe, und dass nichts von der Ordnung verloren gehe, durch die allein die Herde Christi unversehrt erhalten wird. Das liegt aber mehr an ihnen, als an mir. Denn wie eine wohlgeordnete Gemeinde der Ruhmeskranz des Pfarrers ist, so kann er sich auch nicht freuen oder sich rühmen, als über ihr Wohlergehen. Gepriesen sei also der Herr, der die Herzen unserer Gemeindeglieder in solcher Ehrfurcht vor seinem Wort erhält und auch dich mit solchen Gaben ausrüstet, dass du sie befriedigen kannst. Möchte er doch auch einmal so für die Genfer sorgen, dass sie mich nicht weiter begehren! – An die Abendmahlsfreier erinnerst du mich mir Recht. Es war mir nur nicht in den Sinn gekommen, als ich abreiste. Aber du hast es etwas zu spät getan. Denn der Tag, da man es anzeigen sollte, ist wohl schon vorbei, oder ist sicher vorbei, wenn mein Brief zu dir kommt. Ich fürchte, wenn wir die übliche Prüfung weglassen, so wird uns eine solche Abweichung einige Verwirrung erregen. Ich glaube aber, da mans nun einmal nicht zur rechten Zeit bedacht hat, ists besser, du unterlässt es, außer wenn Claude zufällig zurückkommt, dass du es mit ihm beraten kannst. Denn wenn er mit dir es für gut findet, so möchte ich nicht, dass es unterlassen würde. So sehr fürchte ich, es könnte uns später zum Schaden sein, wenn etwas geändert wird. Sonst, wenn es unter Aufrechterhaltung der Ordnung geschehen könnte, würde ich nicht zögern, es aufzuschieben. Lebwohl, lieber Nicolas, grüße in meinem Namen Sebastian [Castellio], Enard und deine anderen Genossen aufs Freundlichste. Der Herr behüte Euch alle und lenke Euch mit seinem heiligen Geist zu jedem guten Werk.

Worms, 26. November.
Dein Calvin.

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