Churfürst Johann Friedrich an Luther und die andern Theologen.

Befehl, ihr Gutachten über den gefangenen Pfarrer Johann Heyne einzusenden. Heyne scheint ärztliche Praxis ausgeübt zu haben, wenigstens gestand er im Gefängniss, den Leuten, welche nicht schlafen konnten, Coriander und Cybeben gegeben zu haben, was er „aus gottes Gnade gethan habe.“ DDie Leute kamen zu ihm aus Leipzig und Halle. Uebrigens ist die Ausübung ärztlicher Praxis durch Geistliche im Reformationszeitalter gar nichts Seltenes.

Vnsern grus zuuorn, erwirdige vnd hochgelarte, lieben andechtigen rath vnd getreuer. Wie vns iczo Johann Heyne etwan pfarrer zu Elßnigk vmb erledigung seines gefengknus vnderthenigklich angesucht, gebeten vnd sich auch darneben erboten, hinfurder aller billigkait zu halten, findet Ir aus einverwarter seiner suplication zuuornehmen. Nachdem vns dann nicht zweifelt, dass Euch zum teil die vrsachen, warumb er vf vnsern beuelh gefengklichen ist eingeczogen worden, auch sein wesen, vnd was ime in der visitationn auferlegt vnuorborgen, wie wir Euch dann das zu bericht etzliche schrieften thun hiemit vbersenden, so ist derwegen vnser gnedigs begern, Ir wollet vns, wes mit ime zuuorhuttung ergernus zu thun Euer bedencken anzaigen, dieweyl er fast mit alter beladen, auch sonsten schwach vnd am gesicht blode sein soll, vns solchs mit widersendung der einliegender schrieften furderlich zu erkennen geben, damit wir vns gegen demselbigen ferner zu erzeigen haben mogen, in dem geschiet vnser gefellige maynung vnd seint Euch mit gnaden gneigt. Datum Torgau Sontags Epiphanie anno 1538.

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefwechsel
Herausgegeben von Dr. C. A. H. Burkhardt
Leipzig
Verlag von F. C. W. Vogel
1866