Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen an Luther

Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen an Luther

Unsern Gruß zuvor. Ehrwirdiger, lieber andächtiger! Uns hat gegenwärtiger Briefszeiger, Tilman von Heussen, Licentiat, durch Schrift, so er an die hochgeborne Furstin, Frauen Sibilla, geborne von Cleve, Herzogin zu Sachsen, unser freundliche liebe Gemahel, gethan, anzeigen lassen, wie er von wegen des heilwärtigen gottlichen Worts aus dem land zu Gulich hat weichen mussen, mit demuthiger Bitt, ihnen in unserm Furstenthumb unterzubringen. Weil wir ihn dann je gerne vorsehen und als einen Prediger des gottlichen Worts gnädiglich gefordert haben wollten, so haben wir ihme X fl. aus unser Kammer reiche, auch X Schock Korn aus unserm Ambt Wittenberg, domit er sich ein Zeitlang doselb unterhalten mochte, zu geben befohlen. Derhalben ist unser gnädiges Begehren, Ihr wollet Euch des Mannes Geschicklichkeit erkunden, und wo er geschickt und tuglich zu einem Prediger Gottes Worts befunden, dofur wir ihn dann achten, so wollet Fleiß furwenden, ab Ihr irgends mit der Zeit ihn in unserm Churfurstenthumb zu Sachsen unterbringen konntet, do ihn die Leut vornehmen und er die Sprach mit der Zeit lernen und seinen Unterhalt haben mochte. Doran thut Ihr uns zu gnädigem Gefallen, und wolltens Euch gnädiger Meinung nicht vorhalten. Datum Lochau, Dienstag nach Sixti Anno 1536.

Quelle:
Dr. Martin Luthers sämmtliche Werke.
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Elfter Band.
Briefe vom Juli 1536 bis August 1538
Calw & Stuttgart
Verlag der Vereinsbuchhandlung
1907

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