Luther, Martin – Dem Großmächtigen, Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Friedrich, König zu Dänemark, Schweden und Herzog zu Holstein, meinem gnädigsten Herrn.

Luther, Martin – Dem Großmächtigen, Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Friedrich, König zu Dänemark, Schweden und Herzog zu Holstein, meinem gnädigsten Herrn.

Gnade und Friede in Christo unserm Herrn, der für unsere Sünde gestorben und um unser Leben von den Todten auferstanden ist. Durchlauchtigster, Großmächtigster König, gnädigster Herr! Ew. Königl. Maj. greifen und sehen, wie Gott der rechte und gnädige Richter ist, weil Ew. Königl. Maj. mit ihrem Vetter König Christiern allezeit gern Friede gehabt hätten, auch allezeit herrlichen Sieg gegeben hat; und wiewohl ichs weiß, daß Ew. Königl. Maj. solches aufs Beste erkennen und Gott zu danken wohl wissen, dazu auch des Siegs wohl christlich und demüthiglich in Gottesfurcht brauchen werden, so bewegt mich doch das Elend oder vielmehr das Trauren meines gnädigsten Herrn Königs Christiern, auch die Sorge, Ew. Königl. Maj. möchte durch etliche Leute gegen den gefangnen Mann gehetzt und an Gottesfurcht gehindert werden. Derhalben ich mit dieser demüthigen und als ich hoffe nunöthigen Schrift mich unterstanden habe Ew. Königs. Maj. demüthiglich zu bitten und ermahnen, sie wollten sich ihres gefangenen Vetters erbarmen, dem Erempel Christi nach, der auch für uns seine Feinde gestorben ist, wir aber nicht für unsre Feinde zu sterben brauchen, sondern allein barmherzig gegen sie sein sollen. Denn wo König Christiern gleich nicht ans Vertrauen, sondern als ein Feind zu Ew. Königl. Maj. kommen wäre gefangen, würden ohne Zweifel Ew. Königl. Maj. dennoch sich vetterlich gegen ihn halten: wie vielmehr wird Ew. Königl. Maj. solches nun thnn, weil er Alles verlassen und (als ich höre^ sich als einen verlornen Sohn Ew. Königl. Maj. als seinem Vater ergeben hat. Weil denn das eine große Demuth ist und wir vor Gott auch Gnade bedürfen, wird Ew. Königl. Maj. ohne Zweifel ein edles Opfer und herrlichen Gottesdienst thun, wo sie auch väterliche Gnade und väterliche Treue gegen den armen, gefangenen Mann erzeigen und wird endlich auf dem Todtenbetie solch Werk Ew. Königl. Maj. ein großer Trost und im Himmel eine sonderliche Freude, dazu auf Erden ein großer Ruhm und Ehre sein. Denn es ist ein großes Werk, in großen Sachen und großen Leuten großer Person geschehen, daß es leuchten muß gar herrlich beide hier ans Erden zum trefflichen Erempel aller Welt und dort im Himmel zur Freude aller Heiligen und Engel, auch zu Gefallen und Lust der göttlichen Majestät. Also, mein gnädigster Herr, lasse Ew. Königl. Maj. dieses Werk eine Frucht des Glaubens sein, Gott zum herrlichen Dankopfer, dem Gefangenen zu Trost und Erquickung und uns Allen zur Freude und Wonne. So wird Ew. Königl. Maj. endlich ihnen selbst und Allen, die dazu gerathen, fröhlich danken und bekennen, wie gar inniglich leid es Ew. Königl. Maj. wäre, wo sie anders hätten gethan Christus, unser Herr und Helfer, gebe Ew. Königl, Maj. seinen reichen Geist hierin und in Allem zu thun seinen göttlichen Wohlgefallen, Amen. Ew. Königl. Maj. halte mir meine vermessene Schrift gnädiglich zu gute, denn so heißt Gott selbst thun und für einander sorgen. Zu Wittenberg, am Vorabend Michaelis 1532.

Ew. Königl. Maj.
williger D.
Martinus Luther.

Quelle:
Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867Hase, Carl Alfred – Luther-Briefe in Auswahl und Uebersetzung für die Gemeinde herausgegeben Leipzig, Druck und Verlag von Breitkopf und Härtel 1867

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