Luther, Martin – An seine Frau aus Torgau vom 27. Februar 1532.

Luther, Martin – An seine Frau aus Torgau vom 27. Februar 1532.

Der Kurfürst Johann mit dem Beinamen der Beständige litt im Anfange des Jahres 1532 sehr heftig an einem schmerzhaften Schaden am Fuß, so daß es nöthig wurde, ihm eine Zehe abzunehmen. Ihn zu trösten war Luther nach Torgau gereist.

Meiner herzlieben Hausfrauen, Katharin Lutherin, zu eigen Handen.

Gott zum Gruß in Christo. Meine herzliebe Käthe! Ich hoffe, wo Doctor Brück wird Urlaub kriegen, wie er mich vertröstet, so will ich mit ihm kommen morgen oder übermorgen. Bitte Gott, daß er uns frisch und gesund heimbringe. Ich schlafe überaus wohl, etwa 6 oder 7 Stunden an einander, und darnach zwo oder drey Stunden hinnach. Es ist des Biers Schuld, wie ich achte. Aber nüchtern bin ich, gleichwie zu Wittenberg. Doctor Caspar saget, daß unsers gnädigen Herrn Fuß nicht weiter fresse. Aber solche Marter leide kein Dobitzsch, noch Gefangener auf der Leiter im Thurn von Hans Stockmeister, als Seine Kurfürstl. Gnaden muß leiden von den Wund-Aerzten. Es ist seine Fürstl. Gnaden so gesund am ganzen Leibe, als ein Fischlein, aber der Teufel hat ihm den Fuß gebissen und gestochen. Betet, betet weiter! Ich hoffe, Gott soll uns erhören, wie angefangen ist[i]. Denn D. Caspar hält auch dafür, es müsse Gott hier helfen.

Weil Johannes[ii] wegzeucht: so will’s die Noth und Ehre fodern, daß ich ihn lasse ehrlich von mir kommen. Denn du weißest, daß er treulich und fleißig gedienet hat, und wahrlich dem Evangelio nach sich demüthig gehalten, und alles gethan und gelitten. Darum denke du, wie oftmal wir haben bösen Buben und undankbaren Schülern gegeben, da es alles verloren gewest ist: so greif dich nun hier an, und laß an einem solchen frommen Gesellen auch nicht mangeln, da du weißest, daß es wohl angeleget und Gott gefällig ist. Ich weiß wohl, daß wenig da ist; aber ich gäbe ihm gerne 10 Gulden, wenn ich sie hätte. Aber unter 5 Gulden sollt du ihm nicht geben, weil er nicht gekleidet ist. Was du drüber kannst geben, das thue, da bitte ich um. Es möchte zwar der gemeine Kasten mir zu Ehren einem solchen meinem Diener wohl etwas schenken, angesehen, daß ich meine Diener muß halten auf meine Kost zu ihrer Kirchen Dienst und Nutz; aber, wie sie wollen. Laß du ja nicht feylen, weil ein Becher da ist. Denke, wo du es kriegest, Gott wird wohl anders geben; das weiß ich. Hiermit Gott befohlen, Amen.

Und sagt dem Pfarrherr von Zwickau[iii], daß er ja wollt ihm lassen gefallen die Herberg, und für lieb nehmen. Wenn ich komme, will ich erzählen, wie Mühlfurt[iv] und ich bei dem Riedtesel zu Gast gewest, und Mühlfurt mir viel Weisheit erzeiget. Aber ich war nicht trinkerlich nach solchen Trank. Pußt mir den jungen Hansen von meinen wegen, und heißet Hänschen, Lehnchen und Muhme Lehnen für den lieben Fürsten und für mich beten. Ich kann in dieser Stadt, wiewohl itzt Jahrmark ist, nichts finden zu kaufen für die Kinder. Wo ich nichts brächte sonderliches, so schaffe mir da etwas Vorraths. Dienstags nach Reminisc. 1532.

D. Martinus Luther.

 

[i] Der Kurfürst genas damals auch wirklich, starb aber noch am 16. August desselben Jahres auf seinem Jagdschlosse Schwelms in der Lochauer Heide.

[ii] Johannes Rischmann, aus Braunschweig gebürtig, hatte seit den 7. Mai 1527 in Wittenberg studirt und war mehrere Jahre lang Luthers Famulus gewesen

[iii] Nikolaus Hausmann

[iv] Bürgermeister von Zwickau. Luther war mit dem Stadtrats von Zwickau wegen seines Benehmens gegen Hausmann und andere dortige Geistliche im hohen Grade unzufrieden.

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