Luther, Martin – An Herzog Georg von Sachsen, vom 31. Oktober 1528.

Luther, Martin – An Herzog Georg von Sachsen, vom 31. Oktober 1528.

Luther hatte in einem Brief au seinen Freund W. Link ewige harte Ausdrücke über Herzog Georg gebraucht. Letzterer, welcher diebischer Weise eine Abschrift dieses Briefes erlangt hatte, ließ Luther befragen, ob er sich zu jenem Briefe bekenne.

Dem Durchlauchtigen, Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Georgen, Herzogen zu Sachsen, Landgrafen in Thüringen und Markgrafen zu Meissen, meinem gnädigen Herrn.

Gnade und Friede in Christo. Ich habe E. F. G. Schrift empfangen, darin E. F. G. von mir begehrt, einer Zettel oder Abschrift halben Antwort, ob ich solcher Schrift mir bewußt sei; und solches, als müßte ich gleich dem geringsten Verpflichten1) oder Gefangenen hier zu gewarten sitzen. Darauf ist meine kurze Antwort: Nachdem E. F. G. wohl weiß meine hohe Geduld, so ich bisher getragen habe über die Vorrede aufs Neue Testament des Emsers2), und auf die Antwort, meiner herzlichen demüthigen Schrift begegnet: also will ich noch dießmal auch Geduld haben über diesem Stücke, angesehen E. F. G. große und schwere Anfechtungen. Und bitte ganz demüthig, E. F. G. wollten mich mit solchen Zetteln oder Abschriften unversucht lassen.

Es wird sich ohne Zweifel E. F. G. bei denen, so solche Zettel haben zugericht und gereicht, auch wohl ohne des Luthers Zuthun, wohl wissen zu erkunden, weß solche Schrift sei, welche E. F. G. mehr, denn ich, verwandt oder zugethan. Nichts Härters will ich auf dießmal wider solche fromme Leute geschrieben haben. Denn zu erbarmen und zu bitten für E. F. G. Anfechtung, wäre ich christlich geneigt, wo es E. F. G. leiden könnte. Hiemit Gott befohlen, Amen. Zu Wittenberg, Sonnabends des letzten Oktobers 1528.

E. F. G.
williger
Martinus Luther.

1) d.i. Unterthan
2) Emsers Uebersetzung des N. T. war fast ganz, außer wenig Worten, Luthers abgestohlen, nur mit bösen, giftigen Anmerkungen versehen. Herzog Georg hatte sie in einer Vorrede sehr empfohlen, Luthers Uebersetzung aber aufs giftigste verketzert.

 

Quelle:
Luthers Volksbibliothek Zu Nutz und Frommen des Lutherschen Christenvolks ausgewählte vollständige Schriften Dr. Martin Luthers, unverändert mit den nöthigen erläuternden Bemerkungen abgedruckt. Herausgegeben von dem Amerikanischen Lutherverein zur Herausgabe Luther’scher Schriften für das Volk Siebenter Band St. Louis, Mo. Druck von Aug. Wiebusch u. Sohn. 1862

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