Melanchthon an Johannes von Sachsen, 26.12.1526

Melanchthon an Johannes von Sachsen, 26.12.1526

Dem Durchleuchtigsten, Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Johanns, Churfürsten, Herzogen zu Sachsen rc. meinem gnädigsten Herrn.

Durchleuchtigster, hochgeborner Fürster, gnädigster Herr. E. C. F. G. seyen meine arme, unterthänige Dienst zuvor. Durchleuchtigster, hochgeborner Fürst, gnädigster Herr.

Es hat mir zu Koburg Magister Baldussar, der Prediger, angezeigt, daß zu Hilperhausen einer viel thörichts Dinngs predige, er besorge auch, daß er bei der Weil aufrührische Wort untermische, darauf mich gebethen, ich sollt solches Herr Georgen von Schawnberg anzeigen. Solchs hab ich gethan, und halte, daß nicht unnützlich wäre Befehl zu geben genannten Magister Baldassar, daß den Prediger zu Hilperhausen fordert, und höret, was er im Schild führet. Er hat nämlich gepredigt von einem Schwert, das in der Schmitten sey, welche Worte verstanden sind, daß er der Oberkeit dräue. Auch sagt man, er halte sich sehr ungebührlich gegen den Pfarrherrn daselb, daraus man abnimmt, daß er selb nach der Pfarre trachte. Sonderlichs aber, das lächerlich ist, doch nicht zu verachten, sagt man, hätte er ihm vorgenommen, wider die Glocken zu predigen. Es ist leider itzt solcher Frevel bei dem mehrern Theil Prädicanten, daß jeder ein neu Spiel will anrichten, so doch in unnöthigen Sachen eine solche Maaß gehalten sollt werden, daß es bei alter Gewohnheit um Friedens willen bleibe.

So viel weiß ich von dieser Sach. Den Mann kenn ich nicht in Hilperhusen, sonst hätte ich ihm geschrieben. E. C. F. G. sey Gott befohlen. Datum zu Wittenberg die Stephani.

E. C. F. G.
armer Diener
Philipps Melancht.

Bretschneider, Carolus Gottlieb
Corpus Reformatorum
Volumen 1
Halis Saxonum
C. A. Schwetschke und Sohn
1834

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