Schuch, Wolfgang – Brief an den Herzog von Lothringen

Schuch, Wolfgang – Brief an den Herzog von Lothringen

(Auszüge)

„Als ich erstlich in diese E.F.G. Stadt, St. Hypoliti, kommen, hab ich ein hin und wieder schweifend Volk funden, welches geirret, wie die Schaaf, die sonder Hirten sind, und das durch viel und mancherlei Gräuel des Irrthums und Aberglaubens ganz verderbt. Aber ich hab alsbald ohn erzug angefangen, wie mein Amt, so mir vom HErrn befohlen, erfordert, die Irrenden wieder auf den rechten Weg zu bringen, sie zu vermahnen, Buße zu thun des vergangenen Lebens, und gesagt, daß das Reich Gottes nahe sei, und gedräuet, daß die Axt den Bäumen schon an die Wurzel gelegt und werde bald abgehauen und ins Feuer geworfen werden, so er anders unfruchtbar gefunden wird, und daß die Zeit vorhanden sei, in welcher Gott seine Engel, das ist, die Verkünder seines Worts gesandt hab, alle Aergernisse aus seinem Reich zu thun. Ich hab angefangen, sag ich, alsbald, wie ein guter Arbeiter thut, auszureuten alle Dornen und Irrthümer, so allmählich aufgewachsen waren wider den HErrn und sein Wort, und hab angefangen, hinwegzuthun, zu verheeren und umzureißen Alles, was hoch und fest aufgerichtet war wider die Lehre Gottes, und Bäume zu pflanzen, die zu ihrer Zeit Früchte brächte, und eine Behausung und Wohnung zu bauen, die nicht zergänglich und irdisch, sondern ewig im Himmel und gebauet wäre auf das Fundament der Heiligen und Propheten, da Jesus Christus selbst der Eckstein ist, an welchem der ganze Bau schleußet und aufwächst zu einem heiligen Tempel des HErrn, auf welchen wir alle müssen gebauet werden zu einem Tabernakel Gottes im heiligen Geist.“

„Und damit ich verständlicher rede, so bin ich gesandt zu E. F.G. Volk, zu predigen das Evangelium Gottes, das er zuvor durch seine Propheten in der hl. Schrift verheißen hat, welches belanget seinem Sohn, unserm HErrn JEsum Christum, der da geboren ist von dem Samen Davids nach dem Fleisch. Aber eben derselbige ist die Kraft Gottes zur Seligkeit aller Gläubigen, durch welchen die Gerechtigkeit Gottes ist geoffenbaret vom Glauben im Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebt seines Glaubens. Die Gerechtigkeit Gottes, durch welche wir gerecht werden vor Gott, ist durch den Glauben am JEsum Christum in allen denen und über alle die, so da glauben werden an ihn. Denn wir sind gerecht worden umsonst durch seine Gnade, wir sind gerecht durch den Glauben in seinem Blut, ohn die Werke des Gesetzes.“

Dann warnet er vor dem Vertrauen auf alle eigenen Werke und weiset hin auf das Wort Gottes,

**welches gebeut, nichts von oder zu demselbigen seinem Worte zu thun, damit nicht ein jeder unter uns thue, was ihn recht bedünket, und daß wir uns nicht verlassen auf unsere Weisheit, denn die Weisheit des Fleisches ist der Tod.“

„Es ist Nichts, das ein Land ruhiger und friedlicher mache, denn das Wort Christi, eines friedlichen Königs, in welchem die Liebe gelehrt wird, die ist geduldig, leidet und trägt es allessammt.“

Quelle:
Fick, C. J. Hermann Die Märtyrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche Zweite Auflage Heft 1 St. Louis, Mo. Gedruckt bei m. Niedner & Co., Ecke der 3. und Pinestraße 1854

Kommentare sind geschlossen.