Luther, Martin – Brief an Albrecht von Mainz, dass er heiraten solle. 1525

Luther, Martin – Brief an Albrecht von Mainz, dass er heiraten solle. 1525

Dem Durchleuchtigsten, Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Albrecht, Erzbischof zu Mainz und Magdeburg u.s.w. Kurfürst ec. Markgrafen zu Brandenburg ec, meinem gnädigen Herren.

Gnad und Fried von Gott dem Vater, und unserm Herrn Jesu Christo. Durchleuchtigster, Hochgeborner Fürst, gnädigster Herr! Ich hab etlichmal Ew. Kurfl. Gn. bisher mit Schriften bemühet, ander Leut halben: itzt werd ich gezwungen, Ew. Kurfl. Gn. halber zu schreiben; und bitt gar unterthäniglich, Ew. Kurfl. Gn. wollt es also annehmen im Guten, so treulich, als ichs meine.

Unter andern Sorgen und Fürnehmen, so mich auch bekummert, diese leidige und gräuliche Empörung zu stillen, welche durch den Satan als eine Strafe Gottes erregt wird, ist mir eingefallen, Ew. Kurfl. Gn. zu ermahnen und anzuruffen, in großer Hoffnung und Zuversicht, Ew. Kurfl. Gn. mög und künne, wo sie nur wölle, gar merklich darzu helfen, neben andächtigem Gebet zu Gott, daß es besser wurde.

Und ist kürzlich dieß die Meinung, daß sich Ew. Kurfl. Gn. in den ehlichen Stand begeben, und das Bißthum zu weltlichem Fürstenthum macheten, und den falschen Namen und Schein geistlichs Stands falllen und fahren lassen. Und seind dieß meine Ursachen.

Erstlich, daß damit der Straf Gottes zuvor komen, und dem Satan die Ursachen der Empörung genummen wurden. Dess es ist doch nun am Tag, daß der geistlich Stand offentlich wider Gott und seine Ehr ist. Derhalben schlecht in keinen Wege zu hoffen ist, daß Gott sollt von Zoren und Straf ablassen, weil von solchen offentlichen Gräuel und Schmach seines heiligen Namens nit gelassen wird. O Herr Gott, hättet ihr Bischof und Fürsten beyzeit selbs darzu gethan, dem Evangelio Raum geben, und was offentlich Gräuel ist, angefangen zu ändern; wie fein still wäre das durch ordenliche Oberkeit und Gewalt geordent und ausgericht, das nun der Teufel mit Toben in einander wirft. Aber da man weder hören noch sehen wollte, und mit Frevel offentliche Gräuel zu erhalten sich unterstund, hats Gott lassen gehn, daß doch zu Grund geh mit Ungnaden: auf daß er beweise, wie sein Wort mächtiger ist, dann alle Ding, und doch fort müß gehn, wenn gleich die Welt tausendmal mehr wäre.

Zum andern, daß auch nun der gemein Mann so weit bericht und in Verstand kummen ist, wie der geistlich Stand nichts sey: wie das wohl und allzuviel beweisen so mancherley Lieder, Sprüch-Spotterey, da man an alle Wände auf allerley Zeddel, zuletzt auch auf den Kartenspielen, Pfaffen und Munche malete, und gleich ein Eckel worden ist, wo man ein geistliche Person sieht oder hört. Was ist dann, daß man wider den Strom fechten will, und halten, das nit will und kann gehalten seyn? Dann das mag man je wohl greifen, weil die Geisterey den Leuten aus dem Herzen ist, und so hoch verachtet, ist nit zu hoffen, daß da Ruhe noch Aufhören sey, sie kümme dann auch aus den Augen; sunder je mehr man darvon hält, je mehre es verspott und veracht wird. Was ists dann, daß man mit solchem Anhalten die Leut nur deste mehre reizt und hetzt wider sich selbs? sonderlich weil Gott selber das Urtheil und Straf dringet, und die geistlose Geisterey will ausrotten, als er spricht Ps. 10: Du bringst umb die Gottlosen, daß ihr Nam auch ewiglich untergeht. Es ist verloren, der geistliche Stand kann nit bleiben, vielweniger wieder zu Ehren kommen. Gott hat ihne angriffen; er muß herunter, das und kein anders.

Solchem kann Ew. Kurfl. Gn. zuvor kummen, und selbs dazu thun, daß es williglich abgethan werde: so ist Hoffnung, daß Gott dabey seyn wird, und mit Gnaden in der Still geschehe, auf daß er niciht muß des Teufels mit Ungnaden darzu brauchen,. Und Ew. Kurfl. Gn. hat deß vor andern große Ursach, weil sie sich an Gott vergriffen, und zu Hall den geistlosen Stand helfen mit großer Kost vergebenlich stärken. Wann aber die Leut ein anders sehen wurden, sollt sich ihr Herz auch fein kehren und Ew. Kurfl. Gn. geneigt werden, und mit aller Still und Sänft helfen, daß alle Ding gnädiglich abgingen. Wurde aber Ew. Kurfl. Gn. sich noch sperren oder aufschieben, ist doch zu besorgen, es müg nit lang währen. Denn die Herzen lassen nit ab, so wenig als Gottes Zorn ablassen wird.

Hie hat Ew. Kurfl. Gn. ein schön Exempel, den Hochmeister in Preussen. Wie gar fein und gnädig hat Gott sölch Aendrung geschickt, die vor zehen Jahren weder zu hoffen noch zu glauben gewest wäre, wenn gleich zehen Esaias oder Paulus solchs hätten verkündiget. Aber weil er dem Evangelio Raum und Ehr gab, hat es ihme wieder viel mehr Raum und Ehre geben, mehr dann er hätt dürfen wünschen.

Aber ein viel größer Exempel wäre Ew. Kurfl. Gn. als die gleichsam mitten in deutschen Landen der größten Haupter eins ist: das wurde viel Leut stillen und eingewinnen, und andre Bischof hernach ziehen. Da wurde Gott sich sehen lassen in Ehren, weil sich Ew. Kurfl. Gn. gegen ihme gemüthiget, und seinem Evangelio und Namen wiche und Raum ließe; wie er denn verheißt Joh. 5: Wer mich ehrt, den will ich wieder ehren; wer mich aber schändet, wird wieder zu Schanden. Auf solche gewaltige, tröstliche Verheißung mag es Ew. Kurfl. Gn. frisch, und heraus aus dem lästerlichen und unchristlichen Stande in den seligen und göttlichen Stand der Ehe:: da wird sich Gott gnädiglich finden lassen.

Und wenn gleich solcher gemeiner Nutz deutschen Lands (dden ich hoch achte, und ein groß christlich Werk ist), Ew. Kurfl. Gn. nit bewegte, sollt doch das allein gnug seyn, daß Ew. Kurfl. Gn. ein männliche Person von Gott gemacht, befinden und bekennen muß: nun ists je Gottes Werk und Wille, daß ein Mann soll ein Weib haben, 1. Mos. 2: Es ist nit gut (spricht Gott, daß der Mann allein sey: ich will ihm einen Gehülfen machen: die umb ihn sey ec. Wo Gott nun nit Wunder thut, und aus einem Mann einen Engel macht, kann ich nit sehen, wie er ohn Gottes Zorn und Ungnad allein und ohn Weib bleiben müg. Und schrecklich ists, so er ohn Weib gefunden sollt werden im Tod; zum wenigsten, deß er doch ernstlicher Meinung und Willens wäre in die Eh zu kummen. Denn was will er antworten, wenn Gott fragen wird: Ich hab dich zum Mann gemacht, der nit allein seyn soll, sondern ein Weib haben sollt: wo ist dein Weib? Ich rede von einem natürlichen Manne. Dann welchen Gott Gnad der Keuschheit gibt, laß ich ihren Weg gehn. Aber sonst soll sich Niemands aus der Schlingen ziehen, daß er ohn Weib seyn, und seines Gefallens leben wollt, anderst, dann ihne Gott geschaffen hat. Solche meine treu unterthänige Vermahnung, bitt ich, wollt Ew. Kurfl. Gn. gnädiglich annehmen, und den Sachen weiter und besser, dann ich schreiben kann, nachdenken: dann ich je gern das Meine wollt darzu thun, ob Gott mit Gnaden dem Teufel wehren, und den Pöbel stillen wollt.

Darzu geb sich Ew. Kurfürstliche Gnaden auch einem treuen fleißigen Zeug ihrem Schöpfer, daß solch Werk dester ehe und stättlich gefürdert werde. Denn es ist hoch Zeit, ehe man den Raum versaume, und darnach nit dazu kumen müg. Darzu helf und geb seine milde Gnad unser Herr Jesus Christus, der unser Fried und Seligkeit ist, Amen. Zu Wittenberg, Freytag nach Exaudi Anno 1525.

Ew. Kurfürstl. Gnaden
unterthäniger
Martinus Luther

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefe, Sendschreiben und Bedencken, vollständig aus den verschiedenen Ausgaben seiner Werke und Briefe, aus andern Büchern und noch unbenutzten Handschriften gesammelt, kritisch und historisch bearbeitet von Dr. Wilhelm Martin Leberecht de Wette, Professor der Theologie zu Basel. Zweyter Theil. Luthers Briefe von seinem Aufenthalt auf Wartburg bis zu seiner Verheurathung Berlin, bey G. Reimer 1825

Kommentare sind geschlossen.