Luther an Hans von der Planiz, kursächsischen Gesandten beim Reichsregiment in Nürnberg.

Luther an Hans von der Planiz, kursächsischen Gesandten beim Reichsregiment in Nürnberg.

Wittenberg, 4. Februar 1525

Gnade und Friede in Christo, Gestrenger Herr und Freund! Ich hab eu. Gnaden Schrift, Herrn Johann Gülden betreffend, sampt der freundlichen ERmahnung meines harten Schreibens, fröhlich empfangen, und bedank mich gegen E. G. beide der Gunst und Freundschaft, von mir unverdienet.

Doch will ich E. Gn. guter Meinung nicht verhalten, daß ich hoff, mein Schreiben soll Niemand zu Schaden kommen. Und ob Herzog Georg meinen gnädigsten Herrn, unbeklagt und unbeschüldiget, würde antasten, bin ich der Zuversicht, mein Herr Christus osoll ihm wehren. Wird er aber beklagt, so kann er je reichlich bewähren, daß S. K. F. G. mir allzeit wider gewesen ist in solchem harten Schreiben, oft mir auch lassen wehren, und einen großen Mißfallen darinnen gehabt, daß mirs alles wohl bewußt gewesen. Auch hab ich Herzog Georgen noch nirgend so angetastet, als den Papst, Bischoffe und König von Engelland, darzu gar tief mich ihm unterworfen und erboten, daß mich dunkt, ich hab sein fast zu viel verschonet. Denn ich einem solchen tobenden Tyrannen längst hättte sollen baß in die Wollen greifen. Ich weiß auch wohl, daß meine Scjhriften allesampt der Art gewest sind, daß sie zuerst angesehen gewest, als seien sie aus dem Teufel, und man besorgte, der Himmel würde balde fallen; aber hernach ists bad anders worden. Es ist itzt ein ander Zeit, daß man die großen Häupter, vorhin ungewohnet, antastet; und was Gott im Sinn hat, wird man sehen zu seiner Zeit.

Nicht daß ich mich damit entschüldige, als sei nichts Menschlichs an mir; sondern daß ich mich deß rühmen kann mit St. Paulo, ob ich gleich zu hart bin, daß ich dennoch je die Wahrheit gesagt habe, und mir Niemand kann Schuld geben, daß ich geheuchelt hab. Soll ich je einen Feihl haben, so ists mirs lieber, daß ich zu hart rede, und die Wahrheit zu unvernünftig herausstoße, denn daß ich irgend einmal heuchelt und die Wahrheit inne behielt. Verdreuße es aber die großen Herrn, mein frei hartes Schreiben, so lassen sie mein Lehre unverworren, und warten des Ihren; ich thue ihnen kein Unrecht. Sündige ich was daran, das sollen nicht sie, denn ich nur recht thue, sondern Gott allein vergeben.

Das wollt Eu. Gn. in aller treuer Freundschaft aufnehmen, und guter Zuversicht sein, daß Christus auch seiner Feinde Herr ist, und kann uns halten, das er uns zugesagt hat, wenn wir bitten: daß ohne Zweifel nicht soll Noth haben fur den Brandschwänzen Syria und Samiaä. Hiermit Gott befohlen. Mittwoch nach Purificationis, Anno Domini 1525

Martinus Luther.

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J. Friz
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