Calvin, Jean – An Renata von Ferrara in Montargis.

Calvin, Jean – An Renata von Ferrara in Montargis.

Nr. 756 (C. R. – 4090)

Marguerite, die Schwester Heinrichs II. von Frankreich und Gemahlin Philibert-Emanuels von Savoyen, neigte heimlich zur Reformation und legte mehrfach bei ihrem Gatten Fürbitte für die piemontesischen Waldenser ein. Vgl. 753, 755.

Über Krankheit und Missverständnisse. Von der Herzogin in Savoyen.

Madame, ich muss Sie um Verzeihung bitten, wenn ich Ihnen durch die Hand meines Bruders schreibe wegen meiner gegenwärtigen Schwäche und der Schmerzen, die ich von verschiedenen Krankheiten leide, Atemnot, Blasenstein, Gicht und ein Geschwür in den Hämorrhoidalgefäßen, das mich an aller Bewegung hindert, die mich sonst auf Erleichterung hoffen ließe. So müssen Sie mich, bitte, auch entschuldigen, wenn mein Brief nur kurz wird im Vergleich zum Ihrigen, umso mehr als ich noch auf die Rückkehr Herrn Budes warte, durch den Sie mir Nachricht zu schicken versprachen, und außerdem, weil ich von Herrn de Collonges noch keinen Brief erhalten habe mit Winken über das Vorgehen, das man einschlagen müsste, um die Zwistigkeiten in Ihrem Hause zu schlichten und für die Zukunft allem entgegenzuwirken, was Verlegenheit und Gespött verursachen oder Hass und Hader stiften könnte.

Was die andere Frage angeht, Madame, so bitte ich Sie, wenn mein Rat bei Ihnen etwas gilt, Ihren Geist nicht damit zu beschweren; denn wie dem auch sei, allzu große Leidenschaftlichkeit bringt viel Betrübnis und sperrt der Vernunft und Wahrheit die Tür. Ich war sehr erstaunt, Madame; ich habe doch, als ich von den Verworfenen sprach, ausdrücklich die Persönlichkeit des Herrn de Guise beiseite gelassen und gesagt, dass eigenmächtiges Verdammen allzu kühn sei, und nun haben Sie meine Äußerung doch ganz verkehrt aufgefasst. Deshalb sage ich Ihnen nun weiter gar nichts mehr darüber, weder Gutes, noch Böses. Nur eins will ich noch berühren: alle recht denkenden Leute haben Sie durchaus nicht etwa gehasst oder verabscheut, weil Sie die Schwiegermutter des verstorbenen Herrn de Guise waren; sondern gerade deswegen hat man Sie umso mehr geliebt und verehrt, weil man sah, dass selbst das Sie nicht davon abbrachte, offen und ehrlich Ihr Christentum zu bekennen, und zwar nicht bloß mit dem Munde, sondern mit Taten, die ein deutliches Zeugnis abgaben. Ich persönlich versichere Sie, gerade dieser Umstand lässt mich Ihre Tugenden nur umso mehr bewundern.

Nun zu etwas anderem, Madame: Ich habe nämlich gehört, dass die Frau Herzogin von Savoyen, Ihre Nichte, so ziemlich auf dem rechten Wege ist bis zum Entschluss, ein freimütiges Bekenntnis abzulegen. Aber Sie wissen, wie viele Verführer es gibt, die sich zum Weichen oder Kaltwerden bringen können, und andrerseits ist sie stets ziemlich ängstlich gewesen, so dass zu befürchten ist, die gute Absicht bleibe da sozusagen am Haken hängen, wenn man sie nicht ermuntert. Nun meine ich, kein Mensch auf Erden hätte auf die Herzogin mehr Einfluss als gerade Sie, Madame. Deshalb möchte ich Sie im Namen Gottes bitten, einen guten, lebhaften Zuspruch nicht zu unterlassen, um ihr Mut zu machen zu weitern Schritten; ich bin überzeugt, dass Sie Ihre Pflicht darin ganz erfüllen werden nach dem Eifer, der in Ihnen ist, Gott zu ehren und ihm mehr und mehr zu dienen. Indem ich mich, Madame, Ihrer Gewogenheit ergebenst empfehle, bitte ich den Vater im Himmel, er wolle Sie behüten, Sie stets mit seinem Geiste leiten und Sie in gutem Glück erhalten.

Genf, 4. April 1564.

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