Calvin, Jean – An Christoph Threcius in Marburg.

Calvin, Jean – An Christoph Threcius in Marburg.

Nr. 750 (C. R. – 4050)

Threcius, (vgl. 719, 724) der sich auf der Heimreise nach Polen an verschiedenen Orten aufhielt, hatte Calvin um eine neue Schrift gegen die polnischen Antitrinitarier und Stancaro gebeten. Andreas Hyperius war Professor der Theologie in Marburg.

Über Calvins literarische Arbeiten und Pläne.

Wenn meine Mahnschrift deinen Landsleuten genützt hat, trefflicher Mann und verehrter Bruder, so danke ich Gott dafür, dass er das bisschen Arbeit, das ich darauf verwandte, nicht ohne Frucht bleiben ließ. Es verdrösse mich auch nicht, mehr Mühe auf die Behandlung dieses Stoffes zu verwenden, wenn ich dazu Zeit hätte. Aber seit deiner Abreise von Genf hatte ich stets mit allerlei Krankheiten zu schaffen, so dass ich nicht einmal meinen gewöhnlichen Aufgaben genügend nachkommen konnte. Auch wenn ich mich davon wieder mehr erholte, so habe ich doch jetzt genug anderes unter den Händen, das mir nicht erlaubt, meine Kraft der Bekämpfung dieser beiden ungeheuerlichen Irrlehren zu widmen. Meinen Kommentar zu den fünf Büchern Mose habe ich ins Französische zu übersetzen begonnen, nicht nur, um allen meinen Landsleuten die Lektüre dieses Werkes zu ermöglichen, sondern auch, weil das sonst nicht üble Werk doch noch voll unzähliger Fehler steckte und deshalb einer reinigenden Durchsicht bedurfte. Dann haben mich meine Brüder aufgefordert, auch das Buch Josua auszulegen, und obwohl ich mich unmöglichster Kürze befliss, bin ich doch bisher nicht weiter gediehen als bis zum dritten Kapitel. Auch von anderer Seite stellt man dringende Anforderungen an mich, so dass ich es nicht wage, dir etwas zu versprechen. Findet sich einmal bessere Gelegenheit, so will ich sie nicht unbenützt lassen. Mich allzu sehr mit Arbeit zu überlasten, ist auch nicht gut. Dass du so eifrig für dein Vaterland besorgt bist, ist ja ein lobenswerter Eifer; aber bedenke, dass doch auch unser Frankreich an manchem Übel krankt, dem man rechtzeitig begegnen muss. Freilich an Joinvilliers liegts nicht, wenn ich dir den Gefallen nicht tue; denn er dringt energisch darauf und lässt nicht nach, bis sich einmal eine günstige Gelegenheit bietet. Habe ich dann wieder Kraft, so will ich ja auch gerne meine Pflicht tun. Aber gegenwärtig ist meine körperliche und geistige Kraft so gebrochen, dass ich meinen Eifer nicht auf neue Arbeiten richten kann. Dass du im Sinn hast, den Winter über bei Herrn Hyperius zu bleiben, ist, – das muss ich sagen, – klug, denn einen angenehmeren Aufenthalt fändest du nicht. Denn abgesehen von der außerordentlichen Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, die aus seinen Schriften klar hervorgeht, soll er auch ein liebenswürdiger Mensch von ganz lauterem Gemüte sein. Aber die Verzögerung deiner Rückkehr in die Heimat gefällt mir doch nicht; denn ich verstehe nicht, was dieses Zaudern und Müßiggehen soll, da du doch andere so sehr antreibst, deinem Volke hilfreiche Hand zu bieten. Doch ich rede umsonst davon, denn bis du diesen Brief erhältst, ist ja der Winter schon fast vorbei. Lebwohl, hochberühmter Mann, von Herzen verehrter Bruder. Der Herr leite dich stets mit seinem Geiste, halte dich aufrecht mit seiner Kraft und behüte dich unter dem Schutze seiner Hand.

Genf, 30. November 1563.
Dein
Johannes Calvin.

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