Calvin, Jean – An Blaurer in Biel (500)

Calvin, Jean – An Blaurer in Biel (500)

Nr. 500 (C. R. – 2480)

 

Jacques du Bois (Sylvius) von Amiens war Professor der Medizin in Paris. Die Nachschrift ist im Original verstümmelt.

 

Ein Arzt für Biel.

 

Als kürzlich Eurer Apotheker Francois hier war, um einen Arzt zu suchen für die Praxis in Biel, sprach er mit mehreren Leuten davon. Der Überbringer dieses Briefes hörte davon, und es veranlasste ihn, wenigstens probeweise einmal nach Biel zu reisen. Denn da er sah, dass Genf von Ärzten bereits überfüllt ist (es sind zehn oder noch mehr hier), so wollte er bei dieser Schar von Konkurrenten nicht beschäftigungslos bleiben, und meinte, wenn sich ihm anderswo eine auch nur mittelmäßige Praxis zeige, so dürfe er das nicht verachten. Damit er nicht ganz unbekannt zu Euch kommt, will ich berichten, was ich von ihm weiß. Einer meiner Kollegen, der ihn vor zehn Jahren in Paris kennen lernte, bezeugt, er sei ein rechtschaffener, unbescholtener Mann, obwohl er damals noch auf den Irrwegen des Papsttums wandelte; du wirst merken, dass er nun von der freien Lehre erfüllt ist. Was nun seine medizinische Begabung angeht, so war er vier Jahre Assistent des du Bois, der zu seinen Lebzeiten stets in Frankreich einen großen Ruf gehabt hat. Ärzte, auf deren Urteil ich etwas gebe, versichern, er habe tüchtige Fortschritte gemacht. Ich müsste mir Vorwürfe wegen Mangels an Anstand machen, wollte ich einen Mann, der solche Zeugnisse aufweisen kann, ohne meine Empfehlung ziehen lassen. Hielte ich ihn nicht einer freundschaftlichen Aufnahme durch gute und gebildete Leute wert, so wollte ich ihn dir sicher nicht aufdrängen. Ich bitte dich nur, ihn zu beraten, und wenn er dir passend scheint, ihm deine Gunst und dein Wohlwollen zuwenden zu wollen. Lebwohl, trefflichster Mann und hochverehrter Bruder.

 

Genf, 21. Juni 1556.
Dein
Johannes Calvin.

 

In Poitou und Anjou sind ernste Unruhen entstanden um der Religion willen. Eine große Schar Menschen ist, von Furcht ergriffen, hierhin und dorthin geflüchtet. Die armen Brüder [machen mir] Sorge. Grüße deine Kollegen und alle frommen Leute. – – –

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