Melanchthon an Christian III. von Dänemark, 1.5.1556

Melanchthon an Christian III. von Dänemark, 1.5.1556

Gottes Gnad durch seinen eingebohrnen Sohn Jesum Christum, unsern Heiland und wahrhaftigen Helfer, zuvor. Durchleuchtister, hochgebohrner, gnädigster König und Herr. E. Majestet sende ich eine kurze Verzeichniß, so viel ich jetzund gewißt habe.

Es sind viel Reden von Praktiken wider die Chur- und Fürsten und Ständ christlicher Lehr, wie wohl zu glauben ist, daß der Papst nicht ruhet. Doch schreibt man mir von Noriberg, man habe davon widerwärtige Schriften. Gott ist seiner wahrhaftigen Kirchen Schutzherr; der wolle gnädigen Frieden und selig Regiment geben, und diese Kirchen gnädiglich regieren und bewahren! Der wolle auch gnädiglich E. K. M. und E. K. M. Königin und junge Herrschaft an Leib und Seel stärken zu seinem Lobe und zu Gutem der armen Christenheit. Datum prima Maii 1556.
E. K. M.
unterthäniger Diener
Philippus Melanthon.

1556

Am 26. Tag Februarii, das ist den nähisten Tag nach Matthiae, ist Pfalzgraf Friedrich, Churfürst etc. im Jahre seines Alters 74 christlich aus diesem elenden Leben abgeschieden. Hat zuvor am Sonntag Invocavit die christlich Communio gehalten mit seiner Gemahel und andern vierzig Personen, Grafen, Cammerjunkern, Frauenzimmer.

Man hat ihm nach dem Tod einen großen Stein als ein Hünerey aus der Blasen geschnitten.

Sein Gemahel hat in sechs Wochen seiner Krankheit große Arbeit bei dem Herrn gethan, ihm selb gekocht und die Speis und Getrank gereicht und mit die mehrer Zeit gewacht.

Pfalzgraf Friedrich, Churfürst etc. hat ein christlich Kirchenordnung vor seinem Tod lassen stellen, die er im ganzen Land hat wollen gleichförmig anrichten; soll der Würtembergischen gleich seyn, die christlich ist.

Dieses Werk wird nu durch Hertzog Othen auch Pfallzgrafen und Churfürst, vollzogen. Gott gebe Gnad dazu.

Der König Ferdinandus läßt Siebenbürgen dem jungen Sohn König Johannis, und soll darauf dem dem Türken ein Anstand erlangt seyn.

In Hungarn sind nicht neue große Exercitus ankommen; auch ist der türkisch Kaiser sehr schwach.

Der Hertzog in Beyern, Hertzog Albert, willigt, daß man das Sacrament christlich empfahen möge, und sind von der Religion in Beyern wie in Ostreich ernstliche deliberationes.

Bretschneider, Carolus Gottlieb
Corpus Reformatorum
Volumen VIII.
Halis Saxonum
C. A. Schwetschke und Sohn
1841

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