Joachim Mörlin an Johann Friedrich zu Sachsen

Joachim Mörlin an Johann Friedrich zu Sachsen

Genad und frid von Gott unserm Vater und dem Herren Jesu Christo! Durchlauchtigster hochgeborner Churfürst, genedigster Herr! Ich hab Euer Chur- und Fürstlichen Genaden, auf derselbigen genediges ansynnen und beger, durch den ehrwirdigen und wolgelerten Ern Fridericum Myconium zusagung gethon, nachdem ich gancz unbillicher weyse auf etlicher meyn und meynes lieben Evangelii mißgonnner ungruntliches fuerbringen so jemerlich wider alle recht und billikhaidt, ungeachtet meynes erbarn und rechtmessigen erbittens, aus meyner ordentlichen und gotlichen vocation entseczet und verstoßen wurde, daß ich Euer Chur- und Fürstlichen Genaden, vor andern zu dienen meynes geringen vermugens genczlich genaiget were. Dieweyl mir aber noch zur zeyt keine antwort oder vertrostung von E. Churf. G. wegen zukomen, als haben die erbarn ersamen und fürsichtigen burgermaister und rath der stadt Gottingen mich erstlich in schriften, nachmals durch ieren secretarium sambt beygelegtem credentz freundtliichen ersucht mit bitt und beger, sie mit freuntlicher zuvorleßiger vertrostung nicht zu lassen, auch sich darneben erboten, mich, meyn weyb und kindt aller notturft nach genugsam zu versorgen etc. Dieweyl mir dan entlicher trost bey meyner lieben gemayn alhie zu bleiben entzogen und genczlichen abgeschlagen, zu dem das der ehrwirdige und hochhgelarte, meyn lieber herr und vater in Christo Martinus Luther mir lenger zu bleiben dieser gestalt kaines weges gestatten will, wie sich E. Churf. G. bey iem der notturft nach hat zu erkundigen, demnoch wais ich mich solcher vocation kaines weges zu wegern, und bien entlich gesinnet, wo mich E. Churf. G. nicht zu gebrauchen wissen, mich in Gottes nahmen und nach seinem veterlichen willen zu ien, ierem begern nach, zu begeben, und bitt derhalben E. Churf. G. in aller unterthenikhaidt umb gnedige antwort, dan ich ynnerlich vier wochen meyn entliche maynung schriftlich anczuzaigen zugesagt, und thu E. Churf. G. yn gnnedigen veterlichen schucz und schirm unsers lieben herren Jesu Christi seliklichen befehlen. Datum Arnstadt am Tag Lucia im 43. Jar.

E. Churf. G.
untertheniger
Joachimus Morlin, D.
und pfarher zu Arnstadt

Zeitschrift der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte
unter Mitwirkung von Professor D. Paul Tschackert und Superintendent D. Karl Kayser
in Göttingen
herausgegeben von Lic. Ferdinand Cohrs, Studiendirektor in Eichsburg
Zehnter Jahrgang
Braunschweig
Druck und Verlag von Albert Limbach G.m.b.H.
1905

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