Melanchthon an Myconius

Melanchthon an Myconius

Sage dem Pfarrer von Waltershausen in meinem Namen, er möge sein Loos geduldig ertragen und sogut es angeht sich selbst bemühen, mit Hülfe des Magistrats den Gehalt von seinen Gläubigern zu erzwingen, denn etwas anderes kann vorläufig nicht bestimmt werden. Du kennst ja die überaus große und unerträgliiche Nichtswürdigkeit des gemeinen Volkes, von dem ich fürchte, daß es über kurz oder lang seine schwere Strafe erhalten wird für seine Ruchloosigkeit. Glaube mir, das Gericht ist nicht fern. Der Charakter des Doctors (Draco) in eurer Stadt ist mir immer verdächtig gewesen. Du hast ihn mehr gehört als nöthig war. Allein wir wollen ertragen, was nicht mehr zu ändern ist; Alles aber will ich lieber thun, als etwas an den Hof bringen. Lebewohl und schreibe mir sobald du kannst. Am Tage Bonifacii.

Philippus
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Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte und Alterthumskunde.
Siebenter Band, Erstes Hef
Jena
Friedrich Frommann
1867

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