Luther, Martin – An Leonhard Puchler, Fechtmeister zu Halle. 1523

Luther, Martin – An Leonhard Puchler, Fechtmeister zu Halle. 1523

11. December 1523

Dem Ehrsamen Meister Leonhard Puchler, Fechtmeister zu Halle, meinem besondern Freunde.

Gnad und Fried in Christo. Lieber Meister Leonhard, das Büchlin hab ich längst gesehen, und antwort euch also: daß Christum unter dem Sacrament anzubeten soll jedermann frey seyn; nicht sündigen, wer es thut, oder läßt, weil er nichts davon geboten hat. Und das Büchlin thut ihm zu viel, weil es ein Noth draus machet, als sollt und müßte es nicht seyn. Denn wo sein Ursach schlüsse, so hätte man auch nicht müssen Christum auf Erden anbeten; und die drey Magi oder Könige hätten ubel gethan, daß sie ihn anbeteten in der Wiegen, sintemal er auf Erden nicht komen ist, daß man ihn anbeten sollte, und kein Gebot davon gabe; sondern ich bin komen, da0ß ich diene, spricht er (Marc. 10,45), und nicht mir dienen lasse.

Wie nu zu der Zeit beydes recht und frey, und keines geboten war, ihn anzubeten, oder nicht: also solls auch frey seyn im Sacrament, ihn anzubeten oder nicht, weil ers frey haben will, und kein Gebot auf beyden Seiten geben hat. Gleichwie er frey ist, Fleisch oder nicht Fleisch essen am Freytage. Denn das Sacrament ist nicht umb des Anbeten, sondern umb des Glaubens willen zu mehren eingesetzt: des sollt man warten allein; so läßt man das nothige nach, und bekümmert sich mit unnöthigem. Darumb laßt anbeten, wer da will, und nicht anbeten, wer da will, und machet weder Sünde noch Ketzerey draus auf beyden Seiten. Mag ich doch Gott in eim lebendigen Menschen anbeten oder lassen: warumb denn nicht im Sacrament, da sein Fleisch und Blut gewiß ist? Das äußerlich Anbeten mit Mund und Knie beugen ist nichts; der Glaube ist das rechte Anbeten, daß ich gläube, es sey daselbs sein Fleisch und Blut, fur mich gegeben und vergossen, da bleibt bey. Das ist auch gnug; das ander sey alles frey. Es gilt itzt im Geist und Wahrheit (das ist, im Glauben) anbeten, an allen Orten. Es macht sie das äusserliche Anbeten irre, weil sie nicht wissen, was Anbeten ist. Hiemit Gott befohlen. Am Freytag nach Nicolai, Anno 1523.

Martinus Luther D.

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefe, Sendschreiben und Bedencken, vollständig aus den verschiedenen Ausgaben seiner Werke und Briefe, aus andern Büchern und noch unbenutzten Handschriften gesammelt, kritisch und historisch bearbeitet von Dr. Wilhelm Martin Leberecht de Wette, Professor der Theologie zu Basel. Zweyter Theil. Luthers Briefe von seinem Aufenthalt auf Wartburg bis zu seiner Verheurathung Berlin, bey G. Reimer 1825

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